Duft und Gewürze aus Madagaskar
Nelken, Pfeffer, Vanille, Zimt, Chili und Ylang-Ylang sind die tropischen Düfte, die die Gewürzinsel Madagaskar durchströmen. Riesige Anbaugebiete im Osten und im Norden machen Madagaskar zur Gewürzinsel. Diese Düfte und noch viele andere mehr finden seit langer Zeit in der Küche oder auch in der Duftindustrie der ganzen Welt Verwendung.
Vanille, die Königin der Gewürze
Vanille (vanilla
planifolia) ist die Königin der Gewürze und nach Safran das zweitteuerste Gewürz der Welt. Vor 400 Jahren brachten spanische Seefahrer Vanille zum ersten Mal von Südamerika nach Europa. Sie nannten die Frucht "kleine Hülse": Vanille.
Bereits Königin Victoria von England entdeckte, dass mit Vanille alles besser schmeckte und ließ alle ihre Gerichte und Getränke mit Vanille würzen. Heute wird Vanille im industiellen Stil zum Aromatisieren von Schokolade, Eiscreme, Konfekt, Keksen, Getränken (z.B. Coca-Cola), Tiernahrung, Arzneimitteln, Kosmetika und Parfüms verwendet. Auch zum Maskieren unangenehmer Gerüche in der industriellen Produktion von Gummiwaren, Papiererzeugnissen und Kunststoffen wird der Vanille-Duft eingesetzt. Schließlich hat auch die moderne Küche die natürliche Vanille als exotische Geschmackskomponente entdeckt.
Geschichte der Vanille
Die Pflanze
Vanille ist die fast ausgewachsene Kapselfrucht einer Orchideenart, die ursprünglich aus Südamerika stammt und bereits von den Azteken als Gewürz geschätzt wurde. Es ist die einzige Pflanze ihrer Gattung, die als Nutzpflanze in der Lebensmittelindustrie verwendet wird. Vanillin, der Aromastoff, der als Hauptkomponente in den Vanilleschoten enthalten ist, ist der weltweit am häufigsten verwendete Duftstoff überhaupt und wird seit über hundert Jahren auch künstlich hergestellt, wenn auch in einer weit weniger komplexen Komposition als der nätürliche Vanilleduftstoff.
Verwendung findet die Vanille-Duftnote nicht nur in Speiseeis und süßen Saucen, auch Coca-Cola, Parfums, Seifen, Duftkerzen und viele Gerichte der modernen Küche enthalten Vanille. Der größte Abnehmer in der Lebensmittelindustrie ist allerdings weiterhin Coca-Cola, nachdem das Ersetzen der natürlichen Vanille durch synthetische Vanille 1985 am Widerstand des Verbrauchers gescheitert ist.
Vanille ist als primärer Duftstoff auch im Parfum Le Male von Jean Paul Gaultier, um nur ein Produkt zu nennen.
Ganz hervorragend schmeckt Vanille übrigens auch in der salzigen Küche. Zum Beispiel Lachs- und Entengerichte lassen sich sehr harmonisch mit Vanille verfeinern. Auch Karotten nehmen den Vanilleduft gut an und entwickeln ein ganz neues exotisches Aroma.
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Vom
16. bis zum 19. Jahrhundert hielt die spanische Seemacht das Weltmonopol
für Vanille, die damals ausschließlich aus ihrem Ursprungsland
Mexiko kam. Die ersten Versuche, Vanille in anderen
tropischen Ländern außerhalb Südamerikas anzubauen,
schlugen fehl. Die Pflanzen trugen keine Früchte, da keine Bestäubung
stattfand. Diese wird nämlich in Südamerika von den ausschließlich
dort vorkommenden Kolibris übernommen. Erst um 1850 gelang es,
auf der Insel Réunion, die damals Bourbon hieß,
eine künstliche Befruchtung von Hand durchzuführen. Die Bourbon-Vanille war
geboren. Heute wird die sogenannte Bourbon-Vanille auf mehreren Inseln
des Indischen Ozeans, hauptsächlich aber auf Madagaskar, erzeugt.
Vanilleanbau in Madagaskar
Vanille wird auf insgesamt 22.000 ha Fläche vor allem im Nordosten von Madagaskar in der Umgebung der Küstenstädte Antalaha und Sambava angebaut und ernährt dort ungefähr 60.000 Familien. Die Erträge an grüner "Roh"-Vanille belaufen sich auf 150 kg bis 300 kg pro Hektar Anbaufläche. Madagaskar ist mit der Produktion von 1.000 t im Jahre 2002 und 600 t im Jahre 2003 Jahresproduktion gebrauchfertiger Vanille der weltweit größte Produzent von Vanille und hat einen Weltmarktanteil, der um die 50% schwankt. Die Weltproduktion liegt zwischen 1800 und 2200 t im Jahr. Rund die Hälfte der madagassischen Vanilleproduktion wird nach USA exportiert, jeweils 15% nach Frankreich und Deutschland, der Rest in andere europäische Länder.
Die
anderen großen Produktionsländer von Vanille sind Indonesien,
Mexiko, Tahiti, Indien und China. Geschmacklich
sind die dort erzeugten Vanillesorten nicht mit der beliebten Bourbon-Vanille
vergleichbar, da unterschiedliche Vanillearten angepflanzt werden und
die ökologischen Bedingungen ebenfalls den Geschmack beeinflussen.
Künstliche Vanillearomen (Vanillin) sind zwar geschmacklich
weniger komplex, werden aber in Größenordnungen von 12.000 t
jährlich hergestellt. Nicht überall, wo Vanille draufsteht
ist auch natürliche Vanille drin. Der Hinweis auf auf natürliche
Aromastoffe wird in der Lebensmittelindustrie auch auf naturidentische,
also künstlich hergestellte Aromen angewendet.
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Der Weltmarktpreis für Vanille ist starken Schwankungen unterworfen und lag zum Beispiel im Jahre 2000 bei 75 USD/kg; in Zeiten der Überproduktion kann der Preis auf rund 6 USD/kg sinken. Anfang 2005 stabilisierte sich der Preis bei ca. 50 USD/kg, um dann gegen Ende 2005 wieder auf 35 USD/kg abzusinken.
Vanille
ist eine Kletterpflanze und
benötigt zum Wachstum eine Wirtspflanze. Diese Rolle wird häufig
von Palmen übernommen, die speziell für diesen
Zweck angepflanzt werden. Die Ranken können über 10 m lang
werden und müssen regelmässig beschnitten werden, damit die
Vanille nicht zu stark wuchert. Auch in Madagaskar müssen die
Blüten
der Vanille in mühevoller Geduldsarbeit von Hand bestäubt
werden, und zwar innerhalb eines zweistündigen Zeitfensters am
frühen Morgen. Pro Tag blüht nie mehr als eine Blüte eines Blütenstandes. Ein Plantagenarbeiter bestäubt mit einem Bambusstäbchen
etwa 1.000 Blüten an einem Vormittag. Die Ernte erfolgt etwa 6
Monate später. Die noch grünen Samenkapseln werden kurz vor
der Reife gepflückt, bevor sie sich gelb verfärben.
Eine
Pflanze trägt zwischen 100 und 120 Kapselfrüchte, die direkt nach Ernte vollkommen geschmack- und geruchslos sind. Die geernteten
noch grünen Samenkapseln, aus denen später die Vanilleschoten
werden, taucht man 2-3 Minuten in heisses, aber nicht kochendes Wasser,
schlägt sie in Tücher und setzt sie dann 1-3 Tage der Tropensonne
aus. Durch diese Behandlung wird eine Fermentation ausgelöst,
bei der die typische braunschwarze Farbe entsteht. Erst nach dieser
Behandlung entwickelt sich das Vanillinaroma. Anschliessend werden
die Schoten abwechselnd an der Sonne und im Schatten
über Wochen getrocknet. Weil die Schoten während der Aufbereitung
viel Gewicht verlieren, gewinnt man von 3,5 kg geernteten grünen
Schoten nur etwa 1 kg gebrauchsfertiger Vanille. Der Preis richtet
sich nach Qualität und Größe der Schoten. Die Qualität
der Vanille hängt in erster Linie vom makellosen schwarz-öligen
Aussehen ab. Beim Endverbraucher beliebt sind die langen Vanillestangen
von mehr als 20 cm Länge.
Verwendung von natürlicher Vanille
Natürliche Vanille wird zum Würzen von Speisen und in der Parfümindustrie verwendet. Auch homöopatische Anwendungen sind bekannt. Süßspeisen, die mit Vanille gewürzt sind, erhalten eine unverwechselbare Duft- und Geschmacksnote. Crème caramel, Buttercreme und Vanilleis sind die berühmtesten Vanillenachspeisen. Aber auch Entengerichte, Lachs, Meeresfrüchte wie Jakobsmuscheln, Kalbsfleisch mit Sahnesoße und andere salzige Gerichte lassen sich vorzüglich mit Vanille verfeinern.
Frische Vanille hat ein makelloses schwarz glänzendes
Aussehen. Die Stangen sind zwischen 13 cm und 25 cm lang
und geschmeidig. Vanilleschoten sind bei richtiger Lagerung etwa 3 Jahre lang haltbar.
Während der Lagerung bildet sich häufig ein weißer
Belag. Hierbei handelt es sich nicht um Schimmel, sondern um reines
Vanillin, also kristallisiertes Vanilleöl. Die Vanilleschoten
halten luftdicht verpackt am längsten. Auch Einfrieren ist grundsätzlich
möglich, wird aber selten angewendet. Sind die Schoten
Trocken geworden, dann wirkt ein Stückchen Apfel Wunder, das über
Nacht in einem gut verschlossenen Glas zu den
Schoten gelegt wird. Sind die Vanilleschoten nach einigen Jahren steinhart
geworden, dann lassen sie sich leicht in einer Kaffeemühle mahlen
oder in einer Moulinette schreddern. Mit Espresso oder Tee aufgebrüht,
erhält das Getränk eine aromatische Vanille-Note.
Für die Verarbeitung werden die Vanilleschoten der Länge nach aufgeschnitten. Messerschneide quer zur Schote ansetzen und die schwarze, feinkörnige Masse mit etwas Druck einfach herausstreichen und zum Würzen verwenden. Die Samenkörner werden herausgekratzt und können sofort zum Würzen diverser Speisen verwendet werden. Es werden etwa ein bis zwei Schoten pro Liter Flüssigkeit benötigt. Das Aroma steckt sowohl in den Samenkörnern als auch in den Hülse. Daher wenn möglich immer beides mitkochen.
Pfeffer
(piper nigrum)
Der
ursprünglich aus Südindien stammende Pfeffer (piper
nigrum) ist wohl das weltweit älteste und bekannteste Gewürz.
Pfeffer ist eine tropische Kletterpflanze, die bis zu 15 m hoch ranken
kann und eine Wirtspflanze benötigt. Schwarzer, weißer,
grüner und roter Pfeffer stammen übrigens von ein und derselben
Pflanze:
- Schwarzer Pfeffer wird aus der unreif geernteten grünen Frucht gewonnen, deren Schale sich bei der Trocknung schwarz verfärbt (Ausbeute 35 kg pro 100 kg frischem Pfeffer).
- Grüner Pfeffer ist unreif gepflückter Pfeffer und wird meist unzerkleinert und frisch verwendet. Grüner Pfeffer kommt häufig in Salzlake eingelegt in den Handel.
- Weisser Pfeffer wird aus der reifen (roten) Frucht gewonnen. Die Körner werden in Wasser gelegt und einer Gärung unterzogen, bis sich die Schale gut vom weißen Kern ablösen lässt (Ausbeute 25 kg pro 100 kg frischen Pfeffer). Weisser Pfeffer ist qualitativ der hochwertigste und mildeste Pfeffer.
- Roter Pfeffer stammt von der reifen Frucht. Echter roter Pfeffer wird entweder gefriergetrocknet oder in Flüssigkeit konserviert (nicht zu verwechseln mit den häufiger anzutreffenden "rosa Pfefferkörnern", die zu einer anderen Pflanzenfamilie gehören).
Schwarzer
Pfeffer enthält bis zu 3% etherische Öle. Diese äußerst
wohlriechenden Substanzen sind für das Pfefferaroma verantwortlich.
Im ungemahlenen Pfefferkorn bleiben die etherischen Öle recht
lange erhalten.
Pfeffer wächst nur auf Meereshöhe und wird oft gemeinsam mit Kaffee angebaut, da beide Pflanzen ähnliche ökologischen Bedingungen benötigen. Der Pfeffer kann sich als Liane am Kaffeebaum hochranken.
Weltweit werden heute jährlich etwa 200.000 t Pfeffer erzeugt. Madagaskar zählt zu den eher kleinen, aber hochqualitativen Erzeugerländern.
Chili
Chili gehört
wie der Paprika zur Familie der Nachtschattengewächse (solanaceae).
Die Gattung Capsicum umfassst
30 verschiedene Arten, die sich durch sehr große Variabilität
auszeichnen und zu einer Unzahl von Namensgebungen geführt haben.
Seien es Chilis, Cayenne, Peperoni oder Pimiento,
in Madagaskar spricht man von sakay.
Man unterscheidet zunächst die roten und die grünen Sorten.
Es gibt unterschiedliche Zubereitungsarten und Schärfegrade als Gewürzsauce oder Paste, in Madagaskar meist gemischt mit Ingwer, Knoblauch und Salz.
Nelken
Nelken (Syzygium aromaticum) gehören zur Familie der Myrtaceen und stammen ursprünglich aus Indonesien (genau gesagt von den Molukken) und werden bereits seit der Antike als Gewürz verwendet. Die immergrünen Nelkenbäume wachsen in tropischem, feuchtwarmem Seeklima, wie es an der Ostküste Afrikas und im Osten Madagaskars herrscht, besonders gut.
Die Blütenknospen entwickeln sich zweimal pro Jahr
und werden geerntet, bevor die Blüte sich öffnet. Die Knospen
werden ungefähr fünf Tage lang an der Sonne getrocknet. Ein
ausgewachsener Nelkenbaum liefert pro Jahr etwa zwei bis vier kg getrocknete
Knospen. Rotbraune Nelken gelten als wertvoller als die schwarzen Nelken
und enthalten 16 bis 19 Prozent ätherisches Nelkenöl.
Nelkenöl wirkt neben seiner Eigenschaft als Gewürz auch als Arznei (gegen Zahnschmerzen), als Mittel gegen Mücken oder auch Antiseptikum.
Ylang
Ylang
Die
Blüte des Ylang-Ylang-Baumes (Cananga odorata) wird zu
einem Duftstoff destilliert, der in den meisten Parfums als Basisduftstoff
zu finden ist. Das Hauptanbaugebiet ist die Insel Nosy Be im Nordwesten
Madagaskars.
Ylang
gehört zu der Familie der Anemonengewächse, wird bis zu 20
Meter hoch und hat herabhängende Äste mit langen Blättern.
Die großen, gelblich-weißen Blüten verströmen
einen intensiven, süßen Duft. Das durch mehrstündige
Wasserdampfdestillation gewonnene Ylangöl ist hellgelb bis gelbbräunlich.
Zimt
Zimt ist ein weiteres der klassischen Gewürze, die in Madagaskar angebaut werden. Die in Madagaskar kultivierte Art ist der Ceylonzimt (Cinnamomum verum) aus der Familie der Lauraceen. Bei den Zimtstangen handelt es sich um die getrocknete Rinde der Zimtsträucher.
Von rund 2,5 cm dicken (abgeschnittenen) Zweigen wird
die Borke abgeschabt und die Rinde abgeschält. Die dünnen,
röhrenförmigen Rindenstücke werden zu 8 bis 10 ineinander
gesteckt und getrocknet und kommen als Stangenzimt oder gemahlen in
den Handel.

