Musik und Kultur in Madagaskar
Die wichtigste Ausdrucksform der madagassischen Kultur ist die Musik, die von der traditionellen Volksmusik, über Tanzmusik der Küstenregionen (salegi), Jazz, Chanson bis zur westlich geprägten Pop-Musik reicht. Die traditionellen Musikinstrumente wie die berühmte Bambus-Harfe valiha werden auch heute noch in Madagaskar produziert und gespielt. Das traditionelle madagassische Theater (hira gasy) und das zur Kunstform stilisierte Halten von Reden (kabary) spielen ebenfalls eine große Rolle im soziokulturellen Leben. Das beliebteste madagassische Brettspiel ist das fanorona.
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Neben
Musik und Theater haben auch Bildhauerei und Malerei ihren festen Platz
in der bildhaften Welt der verschiedenen Volksgruppen Madagaskars gefunden.
Besonders zu erwähnen sind hier die Holzschnitzereien der Volksgruppe
der Zafimaniry, die 2003 von der UNESCO in Rang eines Weltkulturerbes
erhoben wurden. Die Zafimaniry leben
im südlichen Hochland zwischen Antsirabe und Fianarantsoa in
der Nähe der Ortschaft Ambositra. Sie schmücken ihre Wohnhäuser
mit zahlreichen traditionellen Motiven.
Musik
und Musikinstrumente Madagaskar
Die
madagassische Musikszene ist außerordentlich vielseitig und reicht
von traditioneller
"Volks"-Musik, wie sie von bäuerlichen Kapellen und
bei den berühmten madagassischen Theatern der hira
gasy gespielt wird, über melancholische Lieder, wie sie
vom bekannten Sänger Ratsimbazafy in
den siebziger Jahren interpretiert wurden, hin zu schnulzigen Schlagern
des Sängers Lola.
Darüberhinaus gibt es eine breite Szene mit populärer Musik, teilweise ebenfalls traditionell beeinflusst, mit den herausragenden Gruppen Feo-Gasy und Mahaleo, die getragen werden von den zwei großen richtungsweisenden Musikern Erick Manana und Dama, die bereits seit über 30 Jahren aktiv sind, aber auch heute noch in Mammutkonzerten beweisen, dass ihnen die Jugend Madagaskars zu Füßen liegt.
Erick Manana macht
bereits seit dem Alter von 10 Jahren Musik. Er ist schon immer von
der traditionellen Musik beeinflusst. Ende der siebziger Jahre gründet
er seine erste Gruppe Lolo Sy Ny Taniry und
wird schlagartig populär. 1995 tut er sich mit dem großen
Flötenspieler Rakoto Frah zusammen
und gründet mit ihm die legendäre Gruppe Féo Gasy,
mit der er viele Tourneen auch in Europo unternimmt. Er bleibt jedoch
immer der traditionellen Musik des madagassischen Hochlandes verhaftet,
dem Stil “ba-gasy”, Vokalmusik, die die traditionellen
Theatervorführungen begleitet. Seit 1996 beginnt Erick Manana
auch eine Solokarriere.
Nicht zuletzt ist die rhythische Tanzmusik der Küstenregionen (salegy), vertreten durch die auch in Europa bekannten Sänger Eusèbe Jaojoby und Milly Clement eine wichtige und beliebte Musikform. Im Bereich HipHop haben zur Zeit drei junge Madagassen viel Erfolg bei der Jugend auch in Frankreich mit ihrer Gruppe Tragédie. Harten madagassischen Rock (die Scorpions lassen grüßen) gibt es von der Gruppe Ambondrona. (siehe auch Diskografie am Ende dieser Seite)
CD-Tipps aktueller madagassischer Musik (bei www.amazon.de):
Die
(historischen) madagassischen Musikinstrumente
In der Vielzahl der madagassischen Musikinstrumente spiegelt sich die Vielfalt der ethnischen Wurzeln der Bevölkerung wieder. Asiatische, arabische, afrikanische und europäische Einflüsse haben eine große Anzahl an Musikinstrumenten geschaffen.
Die
berühmte Valiha oder Bambuszither besteht
aus einem Bambusrohr, das in der einfachsten Version mit Saiten versehen
ist, die aus der Bambusschale herausgearbeitet wurden, und mit Abstandhaltern
in unterschiedlicher Höhe gestimmt wird. Aufwendigere Konstruktionen
haben 16 metallene Saiten, sind über 1 m lang und mit folkloristischen
Motiven verziert.
Weitere
Saiteninstrumente sind die gitarrenähnliche Kabosa und
die Jejy, die von den Bewohnern des südlichen Hochlandes
gespielt werden.
Fellbespannte
Trommeln (amponga) in unterschiedlicher Größe
erzeugen den notwendigen Rhythmus. Kalebassen, die mit Pflanzensamen
oder Steinen gefüllt sind, werden als Rasseln benutzt. Weitere
Perkussionenintrumente sind Büschel aus Stroh oder Armreifen,
die bei Bewegung aneinander schlagen.
Flöten
werden aus unterschiedlichsten Materialien hergestellt. Bambusrohre
(sodina), aber auch Kürbisse (tahitahia, kiokioka)
dienen als Basismaterial für die madagassischen Flöten.
Ein
gewaltiges Blasinstrument ist das Anjomara, das dem Alphorn
ähnelt.
Die antsiva ist
ein Blasinstrument, das man als Muschelhorn bezeichnen könnte.
Das trompetenartige Instrument wird aus einer großen Seemuschel
hergestellt.
Kleine
Auswahl weiterer madagassischer Musikinstrumente
atranatrana: Xylophon • xylophonähnliches Musikinstrument aus losen Holzstäben; die Schlagstöcke heißen famango
barakoma: Blasinstrument • Hornähnliches Instrument aus einem Bambusrohr
doka:
Perkussionsinstrument in Form eines Holzstockes
farara: Rohrpfeife • Pfeife aus einem Schilfrohr als Kinderspielzeug
kabosa: Saiteninstrument (Violine) • gitarrenähnliche kleine Harfe
kabotsy: kleine Gitarre
kahiamba:
Perkussionsinstrument; mit Steinen gefülltes Bambusrohr
kahiamba rambo: Perkussionsinstrument aus Strohballen
kiloloka: Flöte (ähnlich Panflöte) • Bambusflöten unterschiedlicher Größe in einer Reihe angeordnet;
kiokioka: Flöte aus Kalebassen • kleine runde Flöte aus Kalebassen (Voatavo Arivohaly); ähnlich der Tahitahia-Flöte
korintsana: Rassel (Perkussionsinstrument aus Kalebassen)
lamako:
Perkussionsinstrument aus zwei Zebu-Kiefern
lokanga (bara): Saiteninstrument (Geige, Violine)
lokanga vava: Zupfinstrument • einsaitige Gitarre aus Metall
maintikely: Klarinette • die madagassische Klarinette ist arabischen Ursprungs; Verbreitungsgebiet ist der Norden Madagaskars
maseva: Musikinstrument (Perkussionsinstrument
als Armband)
tahitahia: Flöte aus Kalebassen • leicht zerbrechliche
kleine Flöte aus einer Kürbisschale;
tsikadraha: Perkussionsinstrument • reibenartiges Perkussionsinstrument aus einem Bambusrohr, in das Kerben geschnitzt sind, über die ein Schlegel gerieben wird.
voatavo: gitarrenartiges Instrument mit einer Kalebasse als Tonkörper
Diskographie
madagassischer Musik-CD's:
- Mily Clément: "Mandrora mantsilany" - MadaPop vom Feinsten; madagassische Rythmen zum Tanzen und Zuhören;
- Feo Gasy: "Ramano" - beste madagassische Unerhaltungs- und Tanzmusik der Gruppe um den legendären Flötenspieler Rakoto Frah, der im Jahr 2000 verstarb; ein absolutes Muss in jeder madagassischen CD-Sammlung;
- Justin Vali: "Rambala" / "Ny marina" - der Meister der Valiha (Bambuszither) spielt traditionelle Musik, instrumental und vokal ein Hochgenuss;
- Eusèbe Jaojoby: "Velono" / "e tiako"- heiße Salegy Tanzmusik mit traditionell madagassischen Rythmen;
- Dama: "dama" - melodische Liebeserklärungen an Madagaskar; Dama ist Gründer und Mitglied der Gruppe Mahaleo, die in den 70er und 80er Jahren viele Erfolge feierte; 2005 gab Dama mehrere Konzerte in Deutschland mit seiner neuen Fomation Vala.
- Henry Ratsimbazafy: 35 ans déjà - Henry Ratsimbazafy ist bereits seit den sechziger Jahren als Musiker aktiv und hat viele Klassiker der madagassischen Unterhaltungsmusik geschrieben und gesungen; seine Lieder sind sowohl auf französisch als auch auf madagassisch;
- Erick Manana: "Vakoka" - Unterhaltungsmusik vom Komponisten und Autor Erick Rafilipomanana (kurz: Manana); er ist einer der Superstars der madagassischen Musikszene nicht zuletzt wegen seiner gegenwartsbezogenen, oft kritischen Texte;
- Isika: traditionelle Musik
- Randafison Sylvestre: The art of Randafison Sylvestre - Valiha Musik, traditionell
- Bodo: "ndao handihy" / "mamiko" - Schlager auf madagassisch von der Sängerin Bodo
- Mahaleo, Tanzmusik im Stil von Jaojoby mit folkloristischen Einflüssen;
- Rossy: populäre Unterhaltungsmusik mit traditionellen Einflüssen;
- Rakoto-Frah: legendärer Flötenspieler; als er im Jahre 2000 starb wurde er wie ein Heiliger zu Grabe getragen wurde; einer der wenigen traditionellen madagassischen Musiker, der internationales Renommee erlangte;
- VALA: neue Formation des Künstler DAMA; VALA wurde 2005 ins Leben gerufen
Museen
in Madagaskar
- ZOO: Parc Botanique et Zoologique de Tsimbazaza (PBZT); BP 4096; Antananarivo 101 MADAGASCAR; Tél. (261) 20 22 310 14 / 22 311 49 / 22 337 56;
- ARCHÄOLOGIE: Musée d'Art et d'Archéologie: Isoraka Antananarivo - Tél.: 22 210 47. Geöffnet von 14 h bis 17 h 30; montags geschlossen;
- GESCHICHTE: Musée d'Andafiavaratra; Palais du Premier Ministre: Tél.: 22 200 91;
- GEOLOGIE: Musée National de Géologie Ministère de L'Energie et des Mines Ampandrianomby: Tél .: 22 403 51. Während der Bürozeiten geöffnet. Steine und Mineralien.
Fanorona,
das Lieblingsspiel der Madagassen
Eine
besondere Rolle spielt das Brettspiel Fanorona.
Dieses uralte Spiel zog in der Vergangenheit bereits die Könige
Madagaskars so sehr in seinen Bann, dass sie manchmal sogar ihre politischen
Entscheidungen vom Ausgang eines Spieles abhängig machten.
Gespielt wird auf einem Feld von 9 mal 5 Punkten, die
mit horizontalen, vertikalenund diagonalen Linien verbunden werden.
Jeder Spieler erhält 22 Spielsteine, die er auf seiner Seite des
Spielfeldes positioniert.
Der
mittlere Punkt (lakabe) bleibt
frei. Ziel des Spieles ist es, die gegnerischen Steine zu eliminieren.
Die Spielzüge ähneln denen beim Damespiel. Gezogen wird abwechselnd
auf ein benachbartes freies Feld. Wenn sich in direkter Linie Steine
des Gegners befinden, können diese durch "Anstoßen" genommen
werden. Die gleiche Regel gilt auch für gegnerische Steine, die
hinter einem liegen, und durch "Ansaugen" genommen werden
können. Verlierer ist, wer keine Steine mehr hat.









