Nahrungs- und Genussmittel aus Madagaskar
Bereits seit dem 18. Jahrhundert wird Rindfleisch aus Madagaskar zu den Inseln des Indischen Ozeans exportiert. Heute kommen Fische und Meeresfrüchte hinzu. Auch Kaffee, Kakao, diverse Früchte und Zuckerrohr werden in großem Stil angebaut und nach Europa und Amerika exportiert. Dominiert werden die landwirtschaftlichen Nutzflächen Madagaskars allerdings vom Reisanbau. Der produzierte Reis dient ausschließlich der Eigenversorgung, für die er allerdings heute nicht mehr ausreicht.
Fast 95% der madagassischen Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Die ausschließlich manuellen Anbaumethoden stammen teilweise noch aus der Steinzeit. Oft werden die Felder nur zwei bis drei Jahre lang in Monokultur bestellt. Dann ist der Boden unfruchtbar und wird nach und nach durch Bodenerosion weggespült. Neues Ackerland wird durch das Niederbrennen (tavy) von Urwald oder Buschland gewonnen, von dem allerdings nicht mehr viel vorhanden ist. Hilfsmittel wie Maschinen, Dünger oder Insektizide sind weitgehend unbekannt in der Landwirtschaft von Madagaskar. Die Erträge sind extrem gering. Insektenplagen wie Heuschreckenschwärme sind häufig. Die rasante Bevölkerungsexplosion der Landbevölkerung mit durchschnittlich fünf Kindern pro Familie unterstützt ebenfalls die Teufelsspirale der fortschreitenden Verarmung durch die Vernichtung der natürlichen Ressourcen.
Besonders fruchtbares Ackerland findet sich im tropischen heißen Norden der Insel. Hier regnet es fast das ganze Jahr über ausgiebig. Ideale Bedingungen für den Anbau von Zuckerrohr, Kokospalmen, Kakao, Kaffee, Vanille, Nelken und anderen tropischen Gewürzpflanzen.
Das zentrale Hochland wird seit Jahrhunderten für den Reisanbau genutzt. Kleine Dörfer und Reisterassen prägen das Bild. Neben dem Reis ist der Maniok Maniok (Manihot esculenta) eine wichtige Kulturpflanze. Doch in Madagaskar wird der Maniok nicht wegen seiner Wurzeln sondern wegen seiner Blätter geschätzt. Die Blätter werden zerstoßen und sind Basis des Nationalgerichts Ravitoto. Auf kargen Flächen, die sich nicht mehr für den Reisanbau eignen, werden Rinder gezüchtet.
Reisanbau in Madagaskar
Reis (botanisch: Oryza)
gehört zur Gattung der Süßgräser. Die wirtschaftlich
bedeutendste Art ist Oryza sativa, eine bis 1,50m
hohe einjährige
Pflanze.
Die wirtschaftlich wichtigste Reissorte Madagaskars ist der mit künstlicher Bewässerung im Terrassenfeldbau in den Niederungen angepflanzte Sumpfreis (Wasserreis). Vom Einsetzen der Gelbreife an wird der Reis geerntet. Zur weiteren Verarbeitung kommt der gedroschene Reis in Reismörser, wo für den Verzehr die Spelzen entfernt werden (geschälter Reis).
Der Nassreisanbau in Madagaskar ist ein mühsames Geschäft. Der
Boden wird von Hand bearbeitet. Mit Grabspaten (angidy) wird er aufgelockert
und mit Wasser vermischt, das aus komplizierten Bewässerungssystemen
auf die Felder geleitet wird. Rinder stampfen mit ihren Hufen den
Boden geschmeidig, auf dem dann die Reissetzlinge ausgebracht werden.
Im Jahre 2008 wurden in Madagaskar 4,9 Mio. t Reis erzeugt, eine Menge die bis zum Jahr 2012 verdreifacht werden müsste, um die Eigenversorgung sicherzustellen.
Früchte aus Madagaskar
Die wichtigen Fruchtsorten Madagaskars, die heute eine wirtschaftliche Bedeutung haben, wurden fast alle während der französischen Kolonialzeit nach Madagaskar eingeführt. Einheimische, endemische Sorten findet man mittlerweile nur noch selten und wenn überhaupt dann auf kleinen lokalen Märkten.
Neben den allgegenwärtigen aus Asien stammenden Litschis werden insbesondere Bananen (keine genormten Eurobananen, sondern schmackhafte kleine Sorten), Mangos, Ananas und Datteln in großen Mengen angebaut und auf dem madagassischen Markt angeboten. Auch europäische Fruchtsorten wie Weintrauben, Äpfel, Birnen, Pflaumen und Pfirsische werden im Hochland von Madagaskar kultiviert.
Litschis
Litschis (litchi
chinensis) sind die einzigen Früchte, die
in nennenswerten Mengen aus Madagaskar exportiert werden und meist zur Weihnachtszeit Europa erreichen. Der
Litschibaum stammt ursprünglich aus China und gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse
(Sapindaceae). Die
Früchte des
Baums heißen Litschi, Litsch, Lychee oder Litchi.
Madagaskar ist mit
einem Marktanteil von 70 Prozent Europas wichtigster Lieferant
von Litschis, aber nur drittgrößter Produzent weltweit hinter China mit 1,45 Mio. t und Indien mit 250.000 t. Knapp 100.000 Tonnen der weißfleischigen, süßen
Frucht werden in Madagaskar jährlich produziert, etwa ein
Viertel davon geht in den Export. Das Unternehmen Quality
Mad vertritt die Vereinigung der madegassischen Litchi-Exporteure
GEL. Die Litschis werden in 2- oder 5-Kilogramm-Kartons angeboten,
unbehandelt oder geschwefelt. Auch Früchte aus biologischem
Anbau sind erhältlich. 13 der 40 Unternehmen sind bereits
nach den Standards von Global GAP zertifiziert.
Bananen (madagassisch: akondro)
Die Bananen (Musa) sind eine Pflanzengattung der Familie der Bananengewächse (Musaceae) mit rund 100 Arten. Die essbaren Früchte sind reich an diversen Vitaminen, Mineralstoffen, Zucker und Ballaststoffen. Die Banane stammt ursprünglich aus Südostasien. Nach Afrika kam die Banane wohl mit den austronesischen Einwanderern, die Madagaskar vom heutigen Indonesien aus besiedelten.
Weitere exotische Früchte aus Madagaskar
Corossol (auch Guanábana oder Guyabano genannt) ist eine Baumart aus der Familie der Annonengewächse (Annonaceae) und stammt ursprünglich aus Südamerika. Im Deutschen wird die Corossol-Frucht als Stachelannone oder Sauersack bezeichnet. Die Corossol-Früchte sind sehr beliebt in Madagaskar und werden zur Fruchtsaftherstellung genutzt.
Zuckerrohr ist eine Sumpfpflanze, die in den nördlichen Küstenregionen oft als Begleitkultur bis in 1200 m Höhenlage angebaut wird. Zuckerprodukte (Rohrzucker, Rum) erwirtschaften in Summe etwa 3% der Exporterlöse Madagaskars.
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Meersfrüchte und industrielle Fischzucht
Die industrielle Fischzucht und der Fischfang haben in den letzten Jahren eine größer werdende Bedeutung für den Export gewonnen. Insbesondere die Aufzucht von Garnelen an den nordwestlichen und nordöstlichen Küsten ist inzwischen zu einem bedeutenden Industriezwei geworden. Gezüchtet werden unter anderem folgende Arten:
- Penaeus indicus ("Indian white prawn", "Crevette Royale Blanche")
- Metapenaeus semisulcatus ("Flower Prawn")
- Metapenaeus monoceros ("Brown prawn")
- Penaeus japonicus ("Kuruma prawn", "Crevette Kuruma")
- Panaeus monodon ("Black Tiger Prawns", "Camaron")
Limabohne (madagassisch: kabary; französisch: pois du Cap)
Die Limabohne (Phaseolus lunatus), auch Madagaskarbohne oder Kapbohne genannt, ist eine Pflanzenart aus der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae). Die dicken weißen Bohnen schmecken hervorragend mit Schweinefleisch gekocht.
Weitere Informationen zu: Kakao aus Madagaskar - Gewürze aus Madagaskar

