Der Osten Madagaskars und die Insel Ste. Marie
Der Osten Madgaskars zeichnet sich durch ein tropisch feuchtes Klima aus. Die Küste nördlich der großen Hafenstadt Tamatave (Toamasina) wird als die Riviera Madagaskars bezeichnet, südlich von Tamatave zieht sich der einzigartige Pangalanes-Kanal an der Küste entlang. Die ehemalige Pirateninsel Ste. Marie vor der Ostküste ist der ideale Ort für eine ruhige Erholung unter tropischer Sonne.
Der
regenreiche Osten mit der großen Hafenstadt Tamatave (madagassischer
Name: Toamasina) und die Insel
Ste. Marie (madagassischer Name: nosy
boraha), die dem madagassischen Festland nördlich von Tamatave
vorgelagert ist, sind seit dem 16. Jahrhundert Anlaufpunkt für
Seefahrer aus der westlichen Welt auf ihrer Route nach Indien, bevor
der Suez-Kanal die Umrundung Afrikas überflüssig machte.
Bereits im 18. Jahrhundert wurden zahlreiche Handelskontore unterschiedlicher
Nationalitäten an der Ostüste gegründet, die den Anbau
von Nelken, Pfeffer, Kaffee und Früchten vorantrieben.
Auch heute noch sind diese beiden Zentren im Osten Madagaskars Ausgangspunkt für Ausflüge, sei es in den südlichen Abschnitt mit dem Pangalanes-Kanal, oder entlang der Ostküste nördlich von Toamasina. Leider bietet dieser Küstenabschnitt keine nennenswerten Attraktionen, was große Nationalparks betrifft.
Tamatave ist
die größte Stadt des Ostteils der Roten Insel und Provinzhauptstadt
mit 170.000 Einwohnern. Weitere größere Orte an der Ostküste
sind Fenerive 80 km nördlich von Tamatave, gut über
Straße erreichbar, Maroantsetra im Norden der Provinz
in der Bucht von Antongil, Ausgangspunkt für Expeditionen in den
berühmten Nationalpark von Masoala. Auf der Insel Ste. Marie (Nosy
Boraha) leben 16.000 Einwohner. Tamatave ist mit der Hauptstadt
Antananarivo über eine gut ausgebaute Bergstraße verbunden
(Fahrzeit ca. 6 Stunden).
Der
flache Küstenstreifen, der der steil aufsteigenden östlichen
Bergkette vorgelagert ist, ist mit etwa 20 km recht schmal. Südlich
von Tamatave beginnt der Pangalanes-Kanal,
der sich in unmittelbarer Nähe der Küste über 660 km
entlangzieht und teils künstlichen, teils natürlichen Ursprungs
ist. Der Pangalanes ist ein
Süßwasserkanal, der durch das Verbinden von küstennahen
Seen entstanden ist und wird gepeist von zahllosen Zuflüssen aus
der östlichen Bergkette. Teilweise liegt nur eine schmal Sandbank
zwischen dem Pangalanes Kanal und dem Indischen Ozean. Am Pangalanes
liegen die größeren Ortschaften Mahanora, Nosy
Varika, Mananjary, Manakara und Farafangana.
Der
Tourismus an der Ostküste leidet unter den fast jährlich
im madagassischen Sommer (Dezember bis Februar) wiederkehrenden Zyklonen,
die oft ganze Landstriche verwüsten oder starken Regenfällen,
die die einzige Verbindungsstraße parallel zur Küste versperren
oder Brücken unpassierbar machen können. Immer wiederkehrendes Ärgernis
ist eine schwimmende Behelfsbrücke 35 km nördlich von Tamatave,
die nach starken Regenfällen regelmäßig unpassierbar
wird und damit den Straßenverkehr auf der einzigen Verbindungsstraße
unterbricht. Beste Reisezeit für Reisen an die Ostküste sind
daher die Monate April bis Oktober.
Die legendäre Schmalspureisenbahnlinie von Antananarivo nach Tamatave verläuft auf den letzten 120km parallel zur Ostküste auf dem Landstreifen zwischen dem Pangalanes-Kanal und dem Indischen Ozen. Aber leider sind auch die Brücken dieser Eisenbahnstrecke seit Jahren unpassierbar, sollen aber seit der Privatisierung der Bahn im Jahre 2004 wieder instand gesetzt werden.
Klima
und Landwirtschaft im Osten
Das
Klima im Osten Madagaskars ist fast das ganze Jahr über tropisch
heiß und feucht mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit. In Tamatave
zum Beispiel regnet es 248 Tage im Jahr (3420 mm Jahresniederschlag)
mit einer Spitze im März (513 mm) und einem Tiefpunkt im Oktober
(89 mm). Die Küste unterliegt das ganze Jahr über den Einflüssen
der Südostwinde und liegt im direkten Einfallsgebiet der immer
wiederkehrenden Zyklone, die von Zeit zu Zeit ganze Landstriche verwüsten.
Im Jahr 1927 tobte ein Sturm, der die Hafenstadt Tamatave quasi vollständig
zerstörte.
Die Regionen des östlichen Küstenstreifens weisen Jahresdurchschnittstemperaturen von rund 24°C auf bei jährlichen Niederschlagsmengen von 3500 mm pro Jahr (vergleichbare Jahreswerte in Deutschland liegen bei weniger als 10°C und unter 900 mm Niederschlag pro Jahr). Die beste Reisezeit für einen Besuch des Ostens Madagaskars liegt zwischen April und Oktober.
Der
fruchtbare östliche Küstenstreifen von nur 10 bis 20 Kilometern
Breite ist mit flachen Hügeln von bis zu 50 m Höhe durchsetzt
und weist eine hohe Bevölkerungsdichte (50 Pers/km²) und
eine intensive landwirtschaftliche Aktivität auf. Die ursprüngliche
Vegetation besteht aus immergrünem Regenwald mit teilweise sumpfigen
Niederungen und Lagunen auf Ferralit- und Sandböden. Die Fruchtbarkeit
des östlichen Küstenstreifens ist legendär. Es reicht,
ein Stück Holz in den Boden zu stecken, wie man es häufig
am Beispiel von Lattenzäunen oder auch Pflanzungen beobachten
kann, damit es innerhalb weniger Tage austreibt.
Landwirtschaftlich
von Bedeutung sind Nelkenpflanzungen (52.540 ha), die rund 3.000 Tonnen
Jährlich produzieren. Ein Schwerpunkt des Nelkenanbaus befindet
sich in der Region von Mananara-Nord.
Dort allein stehen rund ein Drittel aller madagassischen Nelkenpflanzungen.
Kaffee nimmt ebenfalls mit 20.000 ha einen wichtigen Platz ein, angebaut
wird er meist von kleinen Familienbetrieben. Aber auch Pfeffer, Vanille,
Kaffee und Kakao finden sich an der Ostküste.
Landschaften
im Osten Madagaskars
Der Osten der Insel Madagaskar unterteilt sich in den nördlichen Küstenabschnitt (von Tamatave in Richtung Norden bis zur Halbinsel Masoala mit der vorgelagerten Insel Sainte Marie (nosy boraha) und in den südlichen Küstenabschnitt südlich von Tamatave, mit dem Pangalanes-Kanal bis Farafangana). Die Vanille-Küste im äußersten Nordosten Madagaskars gehört verkehrs- und verwaltungstechnisch bereits zum Norden von Madagaskar.
Tamatave (Toamasina)

Tamatave (madagassischer
Name: Toamasina) ist der bedeutendste Hafen Madagaskars und
durch eine gut ausgebaute Straße mit der Hauptstadt Antananarivo
verbunden, die meistbefahrene Verkehrsachse Madagaskars. Die Fahrzeit
für die 350 km lange, bergige Strecke beträgt 6 bis
8 Stunden und führt über den sehr sehenswerten Nationalpark
von Andasibe und die kleine Ortschaft Brickaville, möglicher
Ausgangspunkt für Ausflüge zum Pangalanes-Kanal. Eine historische
Eisenbahnverbindung von Antananarivo nach Tamatave wird heute nicht
mehr unterhalten, auch wenn Teile des alten Schmalspur-Streckennetzes
immer noch für den Warentransport benutzt werden. Tägliche
Flüge verbinden ebenfalls Tamatave und die Insel Ste. Marie mit
der Hauptstadt Antananarivo.
Der
Name der Hafenstadt Toamasina (alt-französisch: Tamatave)
stammt wahrscheinlich von portugiesischen Seefahrern, die den Ort im
16. Jahrhundert nach dem heiligen Thomas benannten.
Später entstanden französische Handelskontore in Tamatave.
1811 wurde der Hafen kurzzeitig von englischen Truppen besetzt, musste
aber 5 Jahre später wieder an die Franzosen und kurze Zeit später
an die Madagassen zurückgegeben werden. Die Spuren der französischen
Kolonialzeit, die schließlich von 1895 bis 1960 dauerte, sind
in Tamatave noch immer sehr lebendig. Breite Alleen mit Palmen, Häuser
mit Säulenvorbauten und Veranden und bunte Pousse-pousse (Fahrradrikschas)
auf den Straßen prägen das Stadtbild. Der Strand von Tamatave
ist zum Baden leider nicht geeignet. Wasserverschmutzung durch den
benachbarten Hafen und Haifische trüben das Badevergnügen erheblich.
Die
Hafenstadt Toamasina ist kosmopolitisch geprägt. Zwei große Märkte,
der bazary be und der bazary
kely versorgen die Bewohner der Stadt. Für Besucher besonders
interessant ist der bazary be im Zentrum der Altstadt, auf
dem Gewürze der Region (Vanille, die hier extrem günstig ist, Nelken und Zimt) und Kunstgewerbeartikel
verkauft werden. Tamatave bietet
eine Vielzahl von Hotels und Restaurants in allen Preisklassen. Luxus
in einem Rokokko Ambiente findet man im Hote Le
Neptune am Boulevard Ratsimilaho oder im altehrwürdigen
Hotel Le Joffre, 160 Boulevard
Joffre mit seinem ausgezeichneten französischen Restaurant. Ein
beliebtes, neu renoviertes Hotel (mit Swimming-Pool und italienischem
Restaurant) für Geschäftsreisende ist das Sharon-Hotel am
Boulevard de la Libération (Tel: 20 5330420). Direkt um Ecke
findet man französische Küche - insbesondere für Liebhaber
von Meersfrüchten - im Restaurant Le
Bateau Ivre (mit Swimming-Pool) am nördlichen Abschnitt
der Strandpromenade. Gut und preiswert isst man in den vielen chinesischen
Restaurants wie le Pacifique, le
Fotuna, le Jade, le
Paradis du peuple, le Venus oder la
Rose de Chine.
Von
Tamatave aus im Rahmen einen Tagesausfluges, auch mit einem Taxi gut
zu erreichen ist der kleine Naturpark
von Ivoloina, etwa 11
km nördlich ist von Tamatave am Fluss Ivoloina. Die zooähnliche
Anlage existiert bereits seit 1898 und war zunächst eine Art Experimentalgarten.
Heute leben viele, teilweise aus anderen Gegenden Madagaskars hier
angesiedelte, tag- und nachtaktive Lemurenarten und Vögel in dem
Park.
Weitere Reiseziele, die von Tamatave aus zu erreichen sind, sind der nördliche Küstenabschnitt mit seinen zahlreichen Hotels, die Insel Ste. Marie (Fährüberfahrten von Soanierana-Ivongo) vor der Ostküste und der Pangalanes-Kanal im Süden.
Von Tamatave Richtung Norden (die Riviera Madagaskars)
Die
goße Hafenstadt Tamatave selbst
besitzt keinen Badestrand. Aber schon wenige Kilometer in Richtung
Norden beginnt eine abwechsungsreiche tropische Traumküste, gesäumt
von Korallenriffen, kleinen Buchten mit Sandstränden in einer üppigen
Vegetation. Die heute gut ausgebaute Nationalstraße No. 5 führt
parallel zur Küste in Richtung Norden bis zur Bootsanlegestelle
von Soanierana-Ivongo, von
wo aus man mit Fähren zur Insel Nosy
Boraha (Sainte Marie) oder auch weiter nach Norden nach Mananara
gelangen kann.
Foulpointe (madagassischer
Name: Mahavelona) ist ein kleiner Küstenort 60 km nördlich
von Tamatave. Hier entstanden ab 1810 unter englischer Flagge Zuckerrohrplantagen
und Rumbrennereien nebst einem Freihandelshafen, der von einer mächtigen
Festung (madagassisch: manda) bewacht wurde, die Radama
I 1822 erbauen ließ und die man heute noch in Foulpointe
besichtigen kann. Die Festung hat einen Durchmesser von 70 m und
ist kreisrund. Ihre Mauern sind 6 bis 7 m dick und bestehen neben Steinen
aus zerstoßnenen Korallen und Eiweiß, die als Mörtel
verwendet wurden. Das Manda konnte
eine ganze Garnison von 25.000 Soldaten beherbergen.
Der
Name Foulpointe stammt noch aus den Zeiten der englischen Seefahrer
und beschrieb den Ort, wo die Handelsschiffe mit frischem Proviant
beladen wurden (englisch: "full point"), heute nennt
sich der Ort Mahavelona, was soviel bedeutet wie "der Leben
spendende Ort". Nach einer Sage wurde ein Toter wieder lebendig,
als man ihn im Bach, der den Ort durchquert, badete.
Mehrere
Hotels und Restaurants befinden sich in Mahavelona (Foulpointe),
sowohl im Strandbereich, als auch an der Nationalstraße, die
als Hauptstraße durch den Ort führt. Der Ort hat sich in
den letzten Jahren zu einem beliebten und preiswerten Tourismus-Zentrum
entwickelt, das vor allem von madagassischen Gästen aus der Hauptstadt
gerne besucht wird. Die Hotelanlage –› Manda
Beach (Tel: 00261 5722000) liegt am schönsten Abschnitt
des Strandes von Mahavelona in
einer vor Haifischen durch ein Riff geschützten riesigen Bucht,
hat ein schönen kleinen Swimmingpool und ist trotz der langweiligen
Küche das beste Hotel der Gegend, vor allem wegen seines ausgezeichneten
Preis-/Leistungsverhältnisses. Eine weitere, sehr günstige Übernachtungsmöglichkeit
in sehr einfachen Bungalows mit einem guten chinesischen Restaurant
bietet das Hotel Au gentil pecheur 200 m nördlich von
Manda Beach gelegen.
Im August 2009 brannte der Ort Foulpointe infolge eines explodierten Camping-Kochers fast vollständig nieder. Das Hotel Crystal mit 25 Bungalows und mehrere hundert Wohnhäuser brannten vollständig nieder. Da der Ort über keine Feuerwehr verfügt, musste die Feuerwehr aus der Stadt Toamasina anrücken. Über das Fortbestehen der Hotelanlagen und deren Wiederaufbau liegen uns noch keine Berichte vor.
Etwa
20 km nördlich von Mahavelona 15 km vor Fenerive Est liegt die
Ortschaft Mahambo, ebenfalls mit einem schönen Strand in
einer geschützten Bucht etwas abseits der Hauptstraße. Hier
findet man mehrere Hotels mit Bungalows, von denen besonders La
Pirogue zu erwähnen ist, nicht zuletzt wegen seiner guten
Küche und den sehr schön gestalteten Bungalows. Leider entsprechen
die sehr hohen Preise nicht gänzlich der Qualität, aber es
gibt günstige Alternativen in unmittelbarer Nähe.
16 km
nördlich von Mahambo gelangt man nach Fenerive Est (Fenoarivo
Atsinanana), einem ehemaligen Seeräuberhafen. Der Ort bietet
keine besonderen Attraktionen. Die Strandhotels liegen etwas außerhalb
des Ortes, z.B. südlich von Fenerive Est die preisgünstige
Bungalowanlage des Hotels Le Recif.
Über
Fenerive hinaus führt die Küstenstraße nach Norden
weiter in Richtung Soanierana-Ivongo,
von wo aus man täglich mit Booten zur vorgelagerten Insel Sainte
Marie übersetzen kann, eine nicht ungefährliche Überfahrt,
wenn man sie auf kleinen Fischerbooten oder Barken durchführt.
Hier endet die Ausbaustrecke der Straße nach Norden. Wer von
hier aus weiter in Richtung Norden fahren möchte, muss auf ein
langwieriges Abenteuer vorbereitet sein. Die Straßen bestehen
meist nur aus Sandpisten, Flussüberquerungen werden auf Barken
durchgeführt.
Die
einzige Möglichkeit, von Soanierana aus
die weiter nördlich gelegene Küstenstadt Mananara mit
dem Auto zu erreichen, besteht wegen der schlechten Straßenverhältnisse
in einer Bootsüberfahrt mit einer Fähre entlang der Küste
(ca. 8 Stunden von Soanierana-Ivongo). Mananara besitzt auch einen
eigenen kleinen Flughafen. Wenige Holtels wie das Hotel Aye-Aye stehen
den Besuchern zur Verfügung. In der Nähe der Ortschaft Mananara
befindet ein Biosphären-Projekt
der UNESCO im Nationalpark von Mananara. Ausflüge in den
Park organisiert "Chez Grandin" in Antanamabe.
Von Mananara geht es weiter in Richtung Maroantsetra, einer kleinen Provinzstadt in der Bucht von Antongil. Maroantsetra hat einen eigenen Flughafen, der den Ort mehrmals wöchentlich mit der Hauptstadt Antananarivo verbindet und ist der ideale Ausganspunkt für Expeditionen in den berühmten Nationalpark von Masoala auf der Halbinsel von Masoala, die die Bucht von Antongil umschießt. Das Reservat von Masoala ist 230.000 ha groß und besteht bereits seit 1927. Der Nationalpark beheimatet die größte Anzahl noch unklassifizierter Arten in Madagaskar. In Maroantsetra gibt es einige Hotels. Mehrere Agenturen in Maroantsetra bieten Touren in den Park an. Einige Camps wie die Tampolo Lodge und Arollodge bieten Übernachtungsmöglichkeien mitten im Masoala Naturpark. Die wichtgsten Forschungszentren des Parks befinden sich in Andranobe und in Tampolo an der Westküste der Halbinsel von Masoala.
Die
Insel Sainte Marie (nosy boraha)
Vor
dem nördlichen Abschnitt der Ostküste Madagaskars liegt die
60 km lange (!) aber an er breitesten Stelle nur 5 km breite
Insel
Ste. Marie (madagassisch: nosy boraha), eine verschlafene
tropische Trauminsel mit hoher touristischer Attraktivität und
zahlreichen Hotels.
Portugiesische Seefahrer, die die Insel im 16. Jahrhundert entdeckten, gaben der Insel den Namen Ste. Marie, nach dem Tag ihrer Entdeckung. Im siebzehnten Jahrhundert war die Insel Stützpunkt von Piraten wie Thomas Tew, David Williams und Thomas White, die von hier aus ihre Raubzüge in den Indischen Ozean vorbereiteten und gute Beziehungen zu den Einheimischen unterhielten. Der berühmte Abenteurer La Bigorne heiratete Betia, die Tochter des lokalen Königsund überließ später die kleine Insel den Franzosen, die hier ab 1750 herrschten. Erst 1960 mit der Unabhängigkeit Madagaskars ging die Insel an den Staat Madagaskar über.
Die
Hauptstadt der kleinen Insel ist Ambodifotatra an der Westseite.
Ein Dutzend Hotels verteilt sich vorzugsweise an der Westküste
und einige wenige an der Ostküste der insgesamt nur dünn
besiedelten, paradiesischen Insel, die einen eigenen, winzigen, aber
internationalen Flughafen hat. Besondere Attraktionen sind der Piratenfriedhof
von Ampanihy und die Tauchgründe in den Korallenriffen.
Auch für ausgedehnte Wanderungen ist die Insel gut geeignet.
Die größte Attraktion ist allerdings die alljährliche Ansammlung von Buckelwalen (megaptera novaeangliae), die hier von Juni bis Juli im warmen seichten Wasser zwischen der Insel Sainte Marie und dem madagassischen Festland ihre Kinder gebären und großziehen.
Zu erreichen ist die Insel Ste. Marie auf dem "Landweg" mit Taxi-Brousse von Tamatave aus und einer Fähre, die von Soanierana nach Ste. Marie übersetzt, oder auf dem Luftweg mit mehreren Flügen wöchentlich von Antananarivo aus.
Hotels
gibt es auf Nosy Boraha in
allen Preisklassen. Je weiter man sich vom im Süden der kleinen
Insel gelegenen Flughafen entfernt, desto abgeschiedener verbringt
man seinen Aufenthalt auf Ste. Marie. Luxus findet man in der Masoandro
Lodge (www.masoandro.com), dem Soanambo-Hotel oder in der Princesse
Bora Lodge. (Hotel-Empfehlungen und Reisetipps in deutscher
Sprache auf der Seite des Tourismusbüros von Ste. Marie: –› www.hsm.mg)
Der
Pangalanes-Kanal an der Ostküste

In
der Hafenstadt Tamatave beginnt der 665 km lange Pangalanes-Kanal (madagassisch: pangalana oder
auch ampangalana), der sich in Richtung Süden in Küstennähe
an der Ostküste entlangzieht bis hinunter nach Farafangana;
beschiffbar ist er aktuell allerdings nur auf einer Länge von
etwa 430 km von Tamatave bis Mananjary, wobei auch hier gelegentlich
Störungen des Schiffsverkehrs durch wildwuchernde Wasserhyazinthen
auftreten können, die die Durchfahrt behindern (immer eine Zeitreserve
einplanen!). Gespeist wird der Süßwasserkanal, der durch
das Verbinden einer Kette von natürlichen küstennahen Seen
enstanden ist, von unzähligen Flüssen, die von den östlichen
Bergketten herabfließen.
Zu
Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Kanal von 5000 Arbeitern durch
die französischen Kolonialherren erbaut, um den Warentransport
entlang der oft stürmischen Ostküste zu vereinfachen. Auch
heute noch wird der Pangalanes von
zahlreichen kleinen Booten für den Waren- und Personentransport
genutzt. Wegen der teilweise geringen Tiefe ist der Pangalanes allerdings
für größere Boote auf weiten Strecken nicht schiffbar.
Für
den Tourismus sehr gut erschlossen mit Hotels, Naturparks und täglichen
Zubringerdiensten ist der nördliche
Abschnitt des Pangalanes-Kanals auf einem Abschnitt von 50 bis
80 km südlich von Toamasina bis hinunter nach Manambato.
Mehrere Bootsgesellschaften bieten Ausflüge und Transfers in den
Pangalanes-Kanal an. Startpunkt ist der Flusshafen (port
fluviale) Manangareza im Süden von Tamatave, nur wenige
Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Fahrpläne sind in den örtlichen
Reisebüros erhältlich. Mehrere Agenturen bieten einen Zubringerservice
zu den Hotels mit Schnellbooten oder auch mehrtägige Fahrten auf
dem Kanal mit einer Barke an:
- Soft Line, 25 Bd Joffre, Tamatave - Tél/Fax : 53 329 75; unterhält auch ein größeres Passagierboot mit Kabinen;
- La Compagnie du Canal verkehrt täglich mit einem Schnellboot und verbindet die touristischen Ziele in Manambato und Ankanin'ny Nofy mit Toamasina (Tel.: +261 24 26502 oder Mobile 032 0488709)
Eine Schmalspur-Eisenbahnlinie hat
bis in die neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts die wichtigsten
Orte des nördlichen Pangalanes-Kanals über eine Strecke auf
der Landzunge zwischen dem indischen Ozean und den Seen des Panagalanes-Kanals
mit Tamatave und mit der Hauptstadt Antananarivo verbunden. Dann wurde
das Streckennetz wegen Sturmschäden baufällig und konnte
nicht mehr für den Personentransport genutzt werden. Zur Zeit
wird das Eisenbahnnetz rehabilitiert und soll in den nächsten
Jahren (2007?) wieder in Betrieb genommen werden, zumindest für
den Warentransport. Die Stationen am Pangalanes-Kanal auf der Strecke
zwischen Brickaville und Tamatave sind Ambila-Lemaitso, Ampanotoamaizina, Andronakoditra, Tampina und Ankarefo.
Am Ampitabe-See etwa 50 km südlich von Tamatave liegt der Ort Akanin'Ny Nofy ("das Nest der Träume"). Im privaten Naturpark Le Palmarium auf einer Halbinsel am westlichen Seeufer findet man einen Palmengarten mit 100.000 in Madagaskar heimischen Palmen wie Dypsis, Ravenea, Orania, Voanioala und Lemurophoenix. Ein Dutzend Arten von Lemuren können ebenfalls in dem privaten Schutzgebiet beobachtet werden (Indri Indri, Varecia variegata, Propithecus, Aye Aye etc.). Der Eintritt beträgt etwa 5 Euro zuzüglich Trinkgeld für Führer.
Drei
kleine Bungalow-Anlagen am Ampitabe-See bieten
alle Annehmlichkeiten für einen erholsamen und ruhigen Aufenthalt,
fernab von jeder größeren Ansiedlung oder Straßenanbindung:
- das Hotel Ankanin'ny Nofy, auch als "Deutsches Gasthaus" bezeichnet, bietet das beste Preis-/Leistungsverhältnis und ist auch für lange Aufenthalte und Familien gut geeignet. Besonders gelungen ist das runde Zentralgebäude, das als Kuppelbau errichtet wurde. Der deutsche Besitzer wohnt selber vor Ort.
- Das Hotel Bush-House gehört zum madagassischen Tourismus-Unternehmen Boogie-Pilgrim und bietet korrekte Dienstleistungen und eine gute Küche zu allerdings recht hohen Preisen.
- Das Pangalanes-Hotel liegt in einem paradisischen Garten mit einem eigenen Krokodil-Gehege.
Ambila Lemaitso ist eine Badeort am Rasoabe-See etwa 80 km südlich von Tamatave. Der Ort Manambato am Ufer des Sees ist auch von Brickaville aus gut zu erreichen. Der See bietet weiße Sandstrände in einer ausufernden Natur. Ausflugsmöglichkeiten zum Ufer des Indischen Ozeans nach Andevoranto.
Weiter
südlich beginnt der "wilde" Abschnitt des Kanals, mit
kleinen Fischerdörfern und ohne touristische Infrastruktur. Vatomandry (schlafende
Felsen) ist ein Dorf aus dem 18. Jahrhundert am Ufer des Flusses Sandramanongy und
war in der Vergangenheit ein bedeutender Handelshafen.
Nosy Varika (Insel der Lemuren) war früher von dichtem Regenwald bedeckt. In der Nähe der Ortschaft liegt der See Alanampotsy (8 Km), die Wasserfälle von Sakaleona (107 Km). Die Wasserfälle von Sakaleona sind die spektakulärsten von ganz Madagaskar mit einer Höhe von 200 m, bedingen aber eine mehrtägige Expedition mit Übernachtungen in Zelten.
Mananjary ist ein kleines lokales Handelszentrum. Berühmt ist die Gegend bis hinunter nach Manakara für den Brauch des Sambatra (was auf madagassisch "Glück" bedeutet), ein Beschneidungsfest, das alle sieben Jahre als Massenbeschneidung der Jungen gefeiert wird und drei Monate dauert. Die eigentliche Beschneidung beginnt etwa 15 Tage nach Beginn der Feierlichkeiten.
Mananjary und Manakara können ebenfalls als Ausgangspunkt für Fahrten auf dem südlichen Pangalanes-Kanal genutzt werden. Beide Orte sind über gute Straßen über Fianarantsoa mit dem südlichen Hochland und mit der Hauptstadt Antananarivo verbunden, liegen aber abseits der ausgetretenen touristischen Pfade.
Die
ethnischen Gruppen im Osten der Insel
Die Südostküste wird eng gedrängt von verschiedenen Volkgruppen, meist arabischen Ursprungs bewohnt. Die ethnische Gruppe, die den nördlichen Osten der Insel dominiert, ist die der Betsimisaraka, daran anschließend südlich die Antambahoaka, die Antaimoro, Antaifasy und Antaisaka.
Die Betsimisaraka "die vielen, die sich nie
trennen" sind ein großer Volksstamm von Waldbauern an der
Ostküste in einem Gebiet von Sambava im Norden bis Mananjary im
Süden. Der Stamm der Betsimisaraka entstand 1720 aus einem Zusammenschluss
mehrerer kleiner Stämme. Es war der Pirat Thomas White (madagassischer
Name: Ratsimilaho), der diesen Zusammenschluss anstiftete, um
Fenoarivo einzunehmen. Die
Betsimisaraka
kultivieren heute vor allem Nelken, Café und Zuckerrohr.
Die Antaimoro "die von der Küste" sind ein kleiner Stamm an der Ostküste in der Gegend von Manakara zwischen Namorona und Manampatra. Sie sind arabischer Abstammung und islamischen Glaubens. Die Antaimoro besaßen von jeher eine eigene Schrift (sorabe) und sind berühmt für ihr Papier aus Bambusfasern, das oft mit Blütenbättern verziert ist. Die Königsgräber der Antaimoro können noch heute im Dorf Ivato bei Vohipeno besichtigt werden.
Die Antaifasy "die im Sand leben" sind ein kleiner Volksstamm an der Südostküste in der Gegend von Farafangana. Sie sind arabischer Abstammung und leben nach strengen Fadys (rituelle Verbote).
Die Antambahoaka "die von Rabevahoaka abstammen" sind ein kleiner Stamm arabischer Abstammung an der Ostküste in der Nähe von Mananjary, vorwiegend islamischen Glaubens. Die Überlieferung besagt, dass sie von von Rabevahoaka abstammen, einem Araber, der im 14. Jahrhundert nach Madagaskar gekommen ist. Bai Ambohitsara gibt es einen Steinelefanten, der aus Mekka stammen soll.
Die Antaisaka "die aus dem Tal" sind kleiner Stamm in der Gegend von Vangaindrano mit einem besonders aufwendigen Totenkult. Die eigene Arbeitskraft gegen Geld zu verkaufen, ist bei den Antaisaka strengstens untersagt. Sie arbeiten nur auf ihren eigenen Feldern zum Eigenbedarf.
Naturschutzgebiete
im Osten Madagaskars
Ambatovaky: Naturreservat Ambatovaky • 60.050 ha großes Reservat im Osten ca. 100km nördlich von Tamatave; zugänglich nur über den Fluss Marimboana nach 2 Stunden Kanufahrt von Soanierana Ivongo aus; Lemuren, Chamäleone, Frösche, Wasserfälle; Hotels in Soanierana Ivongo;
Analamazaotra: Naturreservat Perinet in Analamazaotra • 810 ha Reservat in der Nähe der Ortschaft Andasibe etwa auf halber Strecke an der Straße von Antananarivo nach Tamatave, Attraktion ist der größte Lemur, der Indri-Indri, viele Pflanzen; grenzt unmittelbar an das Gebiet von Mantadia (weitere Informationen zum Schutzgebiet von Analamazaotra)
Betampona: Naturreservat Betampona • 40 km nördlich von Tamatave auf 275 bis 500 m Höhe; 2228 ha; Primärwald, Lemuren, Orchideen
Ivoloina: Zooähnlicher Naturpark Ivoloina wenige Kilometer nördlich von Tamatave am Fluss Ivoloina; künstlicher See; Chamäleone, Lemuren, Schlangen, Vögel
Mananara-Nord: Nationalpark Mananara-Nord • 140.000 ha großer Nationalpark 80 km nördlich von Tamatave an der Ostküste; Lemuren, Fische, Meeresschildkröten, Wale,
Mandraka : Privatpark in der Nähe von Mandraka • Privatpark in der Nähe von Mandraka an Straße von Antananarivo nach Andasibe; beinhaltet des Sammlung Pereiras; Chamäleone, Fledermäuse, Insekten , Schlangen, Tenreks, Vögel
Mangerivola: Naturreservat Mangerivola • 11.900 ha großes Reservat südwestlich von Tamatave,
Manombo: Naturreservat Manombo • 5.080 ha südöstlich von Fianarantso an der Ostküste
Mantadia Perinet: Nationalpark Mantadia Perinet in Andasibe • 15.500 ha großer Nationalpark dient insbesondere dem Schutz des größten madagassischen Lemuren, dem Indri Indri (weitere Informationen zu den Schutzgebieten von Andasibe)
Palminarium: Naturpark Palminarium • am Pangalanes gelegenes parkähnliches Gebiet; nur mit dem Boot erreichbar von Manambato oder von Tamatave aus; Hotel auf dem Gelände; 5 Lemurenarten, darunter der seltene Indri Indri leben auf dem Gelände mit einem großen Palmengarten;
Tampolo: Privatpark Tampolo • Privatpark in der Nähe von Mandraka an Straße von Antananarivo nach Andasibe
Zahamena: Nationalpark Zahamena • 64.000
ha großes zweigeteiltes Schutzgebiet mit Nationalpark und Naturreservat;
Vogelarten und Lemuren; 50 km nordöstlich von Tamatave; nur
schwer zugängliches Schutzgebiet; Hotels in Ambatondrazaka und
Vavatenina
