madainfo.demadainfo.demadainfo.demadainfo.demadainfo.demadainfo.demadainfo.demadainfo.de
www.madainfo.de / Menschen / Volksstämme

Die ethnischen Gruppen Madagaskars

Die heute in Madagaskar ansässigen Volksstämme und ethnischen Gruppen entstammen unterschiedlichen Einwanderungswellen der zurückliegenden 15 Jahrhunderte. Durch die Entstehung einer einheitlichen Landessprache wurde trotz der ethnischen Vielfalt ein nationales Einheitsgefühl geschaffen. Die großen Bevölkerungsgruppen Madagaskars sind die der Merina, Betsileo und Bara im Hochland, der Antandroy im Süden, der Sakalava im Westen und der Betsimisaraka im Osten.

ethnische LandkarteDie Stämme von Madagaskar sind im eigentlichen Sinne ethnische Volksgruppen mit eigenen kulturellen und religiösen Überlieferungen, die sich allerdings vor einem recht homogenen Hintergrund entwickelt haben, auch wenn die Abgrenzung zwischen den Gruppen oft schwierig ist. Viele Volksgruppen haben in der Vergangenheit ihre eigenen Königreiche gebildet.

Betsimisaraka in Tamatave, MadagaskarDurch die Entstehung einer einheitlichen Landessprache, des malagasy, deren Entwicklung wahrscheinlich im 11. Jahrhundert begann, wurden die ursprünglichen sprachlichen Wurzeln zwar verwaschen, aber sprachliche Eigenheiten finden sich auch heute noch in den verschiedenen Dialekten der Volksgruppen wieder.

Der kulturelle und religiöse Hintergrund der verschiedenen Volksstämme wird geprägt vom Ahnenkult, der die Ahnen als Mittler zwischen den Lebenden und Gott sieht und vom Brauch der Beschneidung der Jungen, der von allen Stammen außer dem der Vezo praktiziert wird, egal zu welcher großen Religionsgemeinschaft sie gehören.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung rechnet sich heute zur christlichen Glaubensgemeinschaft (evangelisch und katholisch zu gleichen Teilen). Daneben haben sich auch islamische Gemeinden in Koexistenz gebildet, die sich etwa aus 5% der Bevölkerung rekrutieren.

Die regionale Verteilung der Volksstämme Madagaskars

Die räumliche Abgrenzung der Stämme wird heute durch anhaltende Wanderbewegungen und Vermischung untereinander erschwert. Die regionale Zuordnung der wichtigsten Bevölkerungsgruppen Madagaskars:

In der folgenden Aufstellung sind die klassischen 18 Hauptstämme und einige wichtige kleine Untergruppen aufgeführt, auch wenn sie zahlenmäßig oft nur wenige tausend Mitglieder präsentieren.

Neuzeitliche Zuwanderer des 20. Jahrhunderts sind in der folgenden Übersicht nicht berücksichtigt; dies sind insbesondere Inder, Franzosen, Chinesen und Koreaner.

nach obenAntaifasy "die mit vielen Verboten leben"

Die Antaifasy (andere Schreibweise: Antefasy) sind ein kleiner, nicht islamisierter Volksstamm von Waldbauern an der Südostküste in der Gegend von Farafangana. Die Antaifasy haben sich wahrscheinlich vor einigen 100 Jahren als eigenständige Gruppe von den Sakalava der Westküste abgesplittert. Sie leben nach einem sehr strengen Moralkodex. Ihre Clans haben noch heute ihre eigenen Fürsten und Könige. Mit ihren strengen Fady grenzen sie sich von den anderen Volksgruppen stark ab. Ihre kollektiven Begräbnisstätten liegen im Walde.

nach obenAntaimoro "die von der Küste"

Antaimoro MannDie Antaimoro (andere Schreibweise: Antemoro) sind ein mittelgroßer Stamm von Waldbauern an der südlichen Ostküste in der Gegend von Manakara zwischen Namorona und Manampatra. Die Antaimoro sind arabischer Abstammung und islamischen Glaubens. Der Stamm weist ein ausgeprägtes Kastensystem auf und Männer und Frauen leben streng getrennt voneinander und werden auch in getrennten Gräbern begraben.

Sie sind gefürchet wegen ihrer mächtigen Zauberer und deren magischen Kräfte. Sie tragen Amulette, die Verse aus dem Koran enthalten. Die Astrologie hat einen sehr hohen Stellenwert. Die Antaimoro leben in feudalen Strukturen. Schon lange vor der Einführung der lateinischen Schrift durch Missionare basaßen die Antaimoro eine eigene Schrift (sorabe) und sind berühmt für ihr Papier aus Bambusfasern, das oft mit Blütenbättern verziert ist (Antaimoro-Papier). Die Königsgräber der Antaimoro können noch heute im Dorf Ivato bei Vohipeno besichtigt werden.

nach obenAntaisaka "die Leute aus dem Tal"

Antesaka im Süden von MadagaskarDie Antaisaka (andere Schreibweise: Antesaka) sind ein kleiner, nicht islamisierter Stamm in der Gegend von Vangaindrano am Ufer des Mongoky im Südosten Madagaskars. Die Antaisaka stammen von den westlichen Sakalava ab und waren im 19. Jahrhundert gefürchtete Krieger.

Bei den Antaisaka ist es untersagt, Geld zu verdienen oder sich sonstwie zu bereichern. Ihre aus Ravinala gebauten Hütten stehen auf Pfählen und haben zwei Türen: eine wird als normaler Zugang benutzt, die andere dient ausschließlich zum Transport der Toten, welche zunächst zum Austrocknen im Wald versteckt werden und anschließend in Gemeinschaftsgräbern auf Anhöhen beigesetzt werden. Bei den Beisetzungsfeierlichkeiten werden alle Besitztümer des Verstorbenen an die Gemeinschaft verteilt. Die Rinder werden gegessen.

nach obenAntambahoaka "die Nachkommen von Rabevahoaka"

Die Antambahoaka sind ein kleiner Stamm an der südlichen Ostküste in der Nähe von Mananjary, vorwiegend islamischen Glaubens. Die Antambahoaka sind arabischen Ursprungs und stammen von einem gewissen Raminia Rabevahoaka ab, der vor 600 Jahren aus Arabien kam. Ein Monument, das bis heute verehrt wird, ist ein weißer steinerner Elefant, der im Dorf Vohitsara aufbewahrt wird und der aus Mekka stammen soll. Alle sieben Jahre wird in Mananjary eine große kollektive Beschneidungszeremonie (sambatra) abgehalten.

nach obenAntandroy "die vom Dornenland"

AntandroyDie Antandroy sind ein großer Volksstamm von nomadischen Hirtenbauern im äußersten Süden Madagaskars in der Gegend von Ambovombe. Die Andandroy bewohnen die trockenste Gegend von Madagaskar und ernähren sich von Hirse, Mais und Cassava. Zum Anbau von Reis gibt es nicht genügend Wasser. Die Antandroy machen 5% der madagassischen Bevölkerung aus. Sie sind ebenso wie die Antaimoro berühmt für ihre Wahrsager (sikidy), ihre Zauberkunst und für ihre Tätowierungen. Ihre Grabstätten ähneln denen der benachbarten Mahafaly. Die großen rechteckigen Grabanlagen werden mit einem Steinhaufen (valavato) abgedeckt. Die Toten werden in einem Sarg aus zwei ausgehöhlten Baumhälften, die aufeinandergelegt werden, beigesetzt.

nach obenAntankarana "die vom Felsen"

Krieger mit KopfscheibeDie Antankarana sind ein kleiner Stamm von Hirtenbauern am nördlichsten Zipfel Madagaskars in der Gegend südwestlich von Antsiranana bis hinunter nach Ambilobe. Die Antankarana stammen von einer Gruppe ab, die sich durch Emigration im 18. Jahrhundert von den Sakalava abgespalten hat. Unter ihrem Anführer Kozobe und ihrem späteren König Lamboeny bildeten sie ein eigenes Königreich; ihre Religion verehrt Naturheiligtümer; das größte Fest nennt sich Tsakafara; anlässlich dieses Festes wird ein Mast errichtet zur Verehrung der Ahnen; als die Antanakarana 1842 von den Merina unterdrückt wurden, suchten sie Hilfe beim französischen König Louis-Philippe; seit dieser Zeit haben sie eine besonders enge Beziehung zu den Franzosen.

 

 

nach obenAntanosy "die von der Insel"

AntanosyDie Antanosy sind ein bedeutender Volksstamm von Reisbauern und Rinderzüchtern im Südosten in der Gegend von Taolanaro (Fort Dauphin). Sie führen sich - genauso wie viele andere Stämme des Süden - auf einen Urahnen namens Raminia zurück. Die dunkelhäutigen Antanosy sind islamisch geprägt. Zum Gedenken der Toten errichten sie Steinsäulen. Ein Teil der Antanosy-Bevölkerung emigrierte im 19. Jahrhundert in den Südwesten (östlich von Toliara), in die Region des Onilahyflusses um die Ortschaft Betioky, um der Vorherrschaft der Merina im Südosten zu entgehen. Dort kultivierten sie sehr erfolgreich Reis, mit dem heute der Süden Madagaskars versorgt wird.

 

nach obenAntehiroka

Die Antehiroka sind eine historische Bevölkerungsgruppe ursprünglich aus der Gegend nördlich von Antananarivo; die Antehiroka gehen auf den König Andriandroka zurück und stammen von den sagenhaften Vazimba ab, den Ureinwohnern des Hochlandes. Die Könige der Antehiroka unterwarfen sich im 16. Jahrhundert den Merina. Auch heute noch rechnen sich vereinzelte Gruppen der Merina den Antehiroka, bzw. den Vazimba zu.

nach obenBara "das Hirtenvolk"

Bara FrauDie Bara sind großer Volksstamm vom Rinderzüchtern südlich des Merina-Gebietes zwischen den Flüssen Onilahy im Südwesten und Zomandao im Norden in der Gegend von Ihosy und Betroka.

Die Bara sind wahrscheinlich afrikanischer Herkunft und leiten sich von ihrem Stammvater Rabiby ab. Eine kulturelle Besonderheit der Bara ist der Rinderdiebstahl, der als Mutprobe zur Brautwerbung gehört, um die Männlichkeit des Heiratskandidaten zu beweisen. In Ringkämpfen (ringa) werden die sportlichen Qualitäten der Kämpfer unter Beweis gestellt.

 

nach obenBetsileo "zu zahlreich um besiegt zu werden"

Bara Krieger (historisches Foto)Die Betsileo sind ein bedeutender Volksstamm im südlichen zentralen Hochland in der Gegend von Fianarantsoa, ihrer Hauptstadt, und Ambositra.

Die Betsileo hatten bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert vier Königreiche auf ihrem Gebiet und waren mit Gewehren und Kanonen gut bewaffnet, wurden dann aber 1806 von den Merina unterworfen. Die Betsileo sind bekannt für ihren Reisanbau in Terassen, die sich an den Hängen zahlreicher Berge finden und von meisterhaften Bewässerungssystemen durchzogen sind.

In der Vergangenheit waren die Häuser der einfachen Leute aus Zweigen und Ästen hergestellt, die hochgestellten hatten Häuser aus Holz, die mit geometrischen Holzschnitzereien und mit Rinderschädeln verziert waren. Die Gräber der Betsileo sind mit symbolhaften geschnitzten Grabstelen aus Holz verziert (teza = "Herz des Baumes"), die bis zu 20 m hoch sein können. Wie die Merina praktizieren sie den Brauch der Umwendung der Toten (famadihana).

Die Betsileo sind die drittgrößte Bevölkerungsgruppe Madagaskars und haben einen Anteil von etwa 13% an der madagassischen Bevölkerung.

nach obenBetsimisaraka "viele, die sich nie trennen"

Betsimisaraka FrauDie Betsimisaraka sind ein bedeutender Volksstamm afrikanischer Abstammung an der gesamten Ostküste. Die Betsimisaraka kultivieren vornehmlich Nelken, Kaffee und Zuckerrohr und leben darüberhinaus vom Fischfang. Sie haben einen Anteil von 12% an der madagassischen Bevölkerung und sind damit die viertgrößte Bevölkerungsgruppe.

Der Stamm der Betsimisaraka entstand 1720 aus einem Zusammenschluss mehrerer kleiner Stämme unter dem Piraten Thomas White (madagassischer Name: Ratsimilaho), der diesen Zusammenschluss anstiftete, um Fenoarivo einzunehmen, das damals unter französischer Kontrolle stand.

Die Betsimisaraka glauben an Waldgeister (angatra) Meerjungfrauen (zazavavy andrano) und wilde Waldmännchen (kalanoro).

nach obenBezanozano "die mit den vielen kleinen Zöpfchen"

Bezanozano "die sich viele Zöpfchen machen": kleiner Volksstamm in der Gegend von Moramanga im nordöstlichen Hochland am Steilabfall von Angavo; die Bezanozano sind eng mit den Sihanaka und Betsimisaraka verwandt; ihr Königreich wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts von den Merina unterworfen. Zu feierlichen Anlässen errichten die Bezanozano mit Rinderschädeln geschmückte Holzstelen (tsikafana). Als es noch keine befestigten Straße vom Hochland zur Küste gab, hatten die Bezanozano das Transportmonopol für den Transport von Waren und Menschen von der Küste zum Hochland.

nach obenKarana

Die Karana sind eine indo-pakistanesische Bevölkerungsgruppe, die nicht zu den ursprünglichen Volksstämmen Madagaskars zählt. Die islamischen Karana sind neuzeitliche Einwanderer vom Ende des neunzehnten Jahrhundert und sind über die ganze Insel verbreitet. Sie treiben Handel (z.B. mit Gütern des täglichen Bedarfs), stellen Schmuck her und sind in neuerer Zeit auch im Bereich Textilhandel und -herstellung tätig.

nach obenMahafaly "die Unantastbaren"

MahafalyDie Mahafaly sind ein kleiner, aber lange Zeit unabhängiger Volksstamm von Hirten und Bauern an der Südwestküste in der Gegend von Betioky, Ejeda und Ampanihy. Sie bauen Mais und Süßkartoffeln an. Jedes Dorf besitzt einen heiligen Baum (hazo manga), der als Opferstelle dient. Wenn Tiere geopfert werden, werden den Anwesenden mit Blut Zeichen auf die Stier gemalt. Der Stamm ist berühmt für seine großen, rechteckigen Grabanlagen, die mit Grabskulpturen (aloalo) und Rinderhörnern geschmückt sind. Die Grabskulpturen sind mit geometrischen Motiven verziert und tragen oft auf ihrem oberen Ende eine Statue mit einer Szene aus dem Leben des Verstorbenen. Die Mahafaly verehren einen Fetisch namens Andriamoro, der nur von Mitgliedern der Königsfamilie besucht werden darf.

 

nach obenMakoa

Die Makoa stammen von Bantu-Sklaven ab, die im achzehnten Jahrhundert aus Mozambik verschleppt wurden. Die Makoa werden oft mit den Vezo verwechselt. Wegen ihres großen Körperbaus wurden sie von den Franzosen gerne als Polizisten eingestellt.

nach obenMerina "die vom Hochland"

Merina Bauernfamilie in AntsahafreixanaDie Merina sind der bedeutendste Volksstamm von Madagaskar. Die Merina sind Nassreisbauern mit stark indonesisch-malaiischem Einschlag und leben im zentralen Hochland um die Hauptstadt Antananarivo im Gebiet des Imerina.

Im neunzehnten Jahrhundert eroberten und beherrschten die Könige der Merina fast die ganze Insel Madagaskar. Das Königreich Madagaskar wurde unter ihrer Führung zu einer bedeutenden Macht im Indischen Ozean und die Merinaherrscher tauschten Botschafter mit den wichtigsten europäischen Mächten aus.

Die Adelskaste der Merina bilden die Andriana, die wiederum in verschiedenen Untergruppen unterteilt sind, deren wichtigste die Zanakandriana ("Kinder Gottes") sind, die Schicht der freien Bürger sind die Hova oder fotsy ("Weisse"), die mainty ("Schwarze") zählen ebenfalls zu den freien Bürgern, stammen aber von der Urbevölkerung der Vazimba ab. Am Ende der sozialen Pyramide stehen die Besitzlosen, bzw. in der Vergangenheit die Sklaven (andevo) und die Volkgruppe der atsimo ("die zu gehorchen haben") südlich von Antananarivo. Bis zur Abschaffung der Sklaverei gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die Sklaven Teil des Hausstandes der bürgerlichen Familien. Sie besaßen den gleichen Stellenwert wie Vieh, durften aber nicht zu dem für die freien Bürger obligatorischen Frondienst herangezogen werden, der von den Königen und Fürsten verordnet werden konnte.

merinaHeute stellen die Merina mit etwa 26% die größte Gruppe der madagassischen Bevölkerung. Der Ahnenkult, dessen äußerlicher Ausdruck das Totenfest der Famadihana ("Umwendung der Toten") ist, ist fest verankert im Denken der Merina und vieler anderer Bevölkerungsgruppen Madagaskars.

Bei der Feier der Famadihana werden die Toten, deren Körper in Seidentücher gewickelt sind, aus den Gräbern geholt, und feiern dann gemeinsam mit ihren noch lebenden Verwandten einen Tag lang ein gemeinsames Fest.

 

nach obenMikea

mikeaDie Mikea sind ein geheimnisvolles, kaum erforschtes kleines Wandervolk nordöstlich von Toliara im Südwesten Madgaskars in der Gegend des Ihotry-Sees; die scheuen Mikea leben in den ausgedehnten Trockensteppen als Nomaden und ernähren sich hauptsächlich von Wurzeln (babou). Die Mikea haben sich ein Leben ohne Zwänge bewahrt.

 

nach obenSakalava "die aus dem langen Tal"

Sakalava MädchenDie Sakalava sind ein großer Volksstamm afrikanischer Herkunft an der gesamten Westküste Madagaskars mit den großen Städten Belo, Morombe, Mahajanga und Morondava. Die Sakalava hatten bis in das 19. Jahrhundert zwei eigene große Königreiche, das von Menabe am südlichen Abschnitt der Westküste mit der Haupstadt Morondava und das von Boina im Norden mit der Hauptstadt Boeny (auch als Antsoheribory bezeichnet). Später wurde die Hafenstadt Mahajanga, zentraler Umschlagplatz für den Sklavenhandel zur Hauptstadt und Boeny als Hauptstadt wurde aufgegeben. Der Königssitz wurde in die Nähe von Mahajanga nach Marovoay ("da wo es viele Krokodile gibt") verlegt. Die Sakalava standen lange Zeit im Krieg mit den Merina, ordneten sich schließlich aber dem Machtstreben des Königs Andrianampoinimerina unter.

SakalavaDie Sakalava machen nur rund 6% der madagassischen Bevölkerung aus, besiedeln aber ein Viertel der Fläche Madagaskars. Sie sind in ihrem Selbstverständnis vor allem Viehzüchter. Für ihre Toten bauen sie holzumrandete Grabmäler, die mit geschnitzten Stelen verziert sind, die Vögel, Menschenfiguren und sexuelle Darstellungen zeigen. In tromba genannten Zeremonien kommunizieren die Sakalava in Trance mit den Geistern ihrer Verstorbenen, ohne allerdings den im Hochland verbreteiten Brauch der Famadihana (Umwendung der Toten) zu praktizieren. Die königlichen Gräber (fanompoa) werden in Gemeinschaftsarbeit gepflegt und die königlichen Reliquien (dady), die aus Stirnknochen, Zähnen, Nägeln und Bekleidungsstücken bestehen, werden im Fest der Waschung der Reliquien (fitampoha) verehrt.

 

nach obenSihanaka "die Leute, die in Sümpfen herumirren"

sihanakaDie Sihanaka sind ein kleiner Volksstamm von Reisbauern und Fischern im nördlichen Hochland in der Gegend des Alaotra-Sees mit der Hauptstadt Ambatondrazaka; die Sihanaka stammen ursprünglich von den Antaisaka der Ostküste ab. Die Gräber der Sihanaka sind mit bis zu 10 m hohen Holzstelen verziert (jiro).

 

 

nach obenTanala "die im Wald leben"

Tanala "die im Wald leben" kleiner und lange Zeit unabhängiger Stamm von Waldbauern im Regenwaldgebiet der südlichen Ostküste; der traditionelle Tanz der Tanala ist der Dombolo; bei Ausflügen in den Nationalpark von Ranomafana kann das traditionelle Leben der Tanala in Dörfern von Torotosy und Bevoahazo beobachtet werden.

nach obenTsimihety "die sich nie die Haare schneiden"

Tsimihety "die sich nie die Haare schneiden": großer Volksstamm im zentralen Norden in der Gegend von Mandritsara; Viehzüchter und Reisbauern; die Tsimihety haben einen Anteil von 12% an der madagassischen Bevölkerung;

nach obenVazimba "die schon immer da waren"

Als Vazimba werden die inzwischen von anderen Bevölkerungsgruppen assimilierten legendären Ureinwohner des Hochlandes von Madagaskar bezeichnet. Wahrscheinlich entstammten die Vazimba Mischlingen zwischen afrikanischen Bantu und malaiischen Einwanderern des 10. oder 11. Jahrhunderts.

Die Vazimba als eigenständige ethnische Gruppe sind seit dem 17. Jahrhundert verschwunden, auch wenn sich heute noch vereinzelte Familien diesem Volksstamm zurechnen, so verstehen sich zum Beispiel die Antehiroka als direkte Nachfahren der Vazimba. Die Spuren der Vazimba finden sich fast in ganz Madagaskar. Sogar im Schutzgebiet von Bemaraha fand man in den 90er Jahren Gräber, die den Vazimba zugerechnet werden. Zur Legendenbildung um die Vazimba gehört auch, dass man ihnen und ihren Gräbern Zauberkräfte zuspricht.

nach obenVezo "das Fischervolk"

Vezo Familie in Toliara Die Vezo leben am südlichen Abschnitt der Westküste von Madagaskar zwischen Toliara und Morondava. Sie sind ein kleines halb-nomadisches Fischervolk, das ursprünglich von den weiter nördlich lebenden Sakalava abstammt. Der Name Vezo bedeutet Ruder und deutet bereits auf ihre enge Bindung zum Meer hin. Die Vezo führen ein traditionell geprägtes Leben und fischen auf offener See mit Harpune und Netz. Der Fang wird meist an Land getrocknet und dann auf den Märkten der Umgebung verkauft. Auch landwirtschaftliche Aktivitäten nehmen heute einen gewissen Platz ein.

vezoEine Besonderheit der Vezo ist die Tatsache, dass sie als einzige Bevölkerungsgruppe Madagaskars bei ihren Jungen keine Beschneidung durchführen.

Ihre Toten werden ein Jahr lang versteckt und erst dann mit Hilfe eines heiligen Sarges, der ausschließlich für den Transport dient, in das Familiengrab überführt. Die Gräber bestehen aus rechteckigen flachen Steinhaufen.

Für die Vezo ist das Meer ein heiliger Ort. Sie glauben an einen allmächtigen Meeresgott, der das Klima und die Natur steuert. Einige Orte stehen unter besonderem Schutz dieses Gottes, wie das Meer, aber auch heilige Wälder (ala faly). Daneben gibt es kleine Götter und Geister, die für die restlichen Dinge des Alltags verantwortlich sind. Zahlreiche Verbote (fady) betreffen das Meer: man darf es nicht verschmutzen und kein Schweinefleisch ins Wasser werfen. Das Meer ist gleichzeitig Lebensraum, der sie mit Nahrung und Baumaterialien aus den Mangrovenwäldern versorgt, Versorgunsweg für die Güter des täglichen Bedarfs und Schutzwall gegen Feinde.

Ein Sprichwort sagt "vezo nenga-daka, tsy misy raha vitany", was soviel bedeutet wie "ein Vezo ohne ein Boot kann nicht existieren". Für den Vezo ist sein Boot (laka) zugleich Arbeitsplatz und Transportmittel und während der Wanderperioden auch sein Zuhause. Der Bootskörper wird aus einem massiven Baumstamm aus Basaholz hergestellt und als einseitiges Auslegerboot mit einem großen Mittensegel ausgebaut. Ein Segel erleichtert die Fortbewegung auf dem Meer. Auch große Transportboote aus Holz mit mehreren Segeln werden von den Vezo in Schiffswerften in Belo-sur-mer angefertigt. lakana vezo

Der Fischfang wird von Frauen und Männern betrieben. Bereits Kinder lernen die Grundregeln. Die Hochseefischerei ist allerdings nicht ohne Risiko und erfordert ausgezeichnete Kenntnisse über die Natur des Meers, die von Generation zu Generation vererbt werden. Die einzigen Arbeitsmittel beim Fischen sind Harpune, Netz und Speer. Der Fang wird meist durch Trocknen konserviert. Eine besondere Mutprobe stellt das Fangen von Meersschildkröten dar, die mit bloßen Händen gefangen werden. Der Verzehr des Schildkrötenfleisches ist allerdings nur den Männern vorbehalten.

nach obenZafimaniry "Kinder der Wünschenden"

Zafimaniry (Schnitzerei eines Türblattes)Der kleine Stamm der Zafimaniry umfasst nur 20.000 Mitglieder und gehört zur großen Volksgruppe der Betsileo. Die Zafimaniry leben in der Gegend um die südliche Hochlandstadt Ambositra zwischen Antsirabe und Fianarantsoa und sind berühmt für ihre Holzschnitzerereien, die im Jahr 2002 von der UNESCO in den Rang eines Weltkulturerbes erhoben wurden. Ihre meist geometrischen Motive und die Kunstferigkeit ihrer Ausführung machen ihre Holzschnitzereien zu weltweit begehrten Sammlerobjekten.

Sie ernähren sich nicht von Reis, sondern von Gemüse, Manjok, Mais und Kartoffeln.

 

Weiterführende Informationen: Sprache - Geschichte - Kultur

Quicklinks: Aktuelle Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes - Madagassische Botschaft in Berlin
Beliebteste Seiten bei madainfo.de: Lemuren - Landschaften von Madagaskar - Naturparks in Madagaskar - Tourismus - Madainfo-Shop
Kontakt madainfo.de - Impressum - Literaturempfehlungen
© 2003-2010 Olga Andrianaivo-Golz und Peter Golz, München/Antananarivo