Vogelreiher MadagaskarLemur Katta, MadagaskarMantella Frosch im Norden von MadagaskarMadagaskar TaggeckoStrahlenschildkröte Madagaskar
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Die Tiere Madagaskars

Die Tierwelt Madagaskars ist artenreich und mit etwa 95% zu einem erstaunlich hohen Prozentsatz endemisch, das heißt, sie kommt nur auf Madagaskar vor. Die Vertreter der madagassischen Fauna lassen sich zusammenfassen in 110 Säugetierarten (davon alleine über 70 Lemurearten), 260 Vogelarten, 205 Amphibienarten, 360 Reptilienarten, 100.000 Insektenarten, 300 Arten Schmetterlinge, 150 Arten Süßwasserfische und zahlreiche Meeresfische.

Madagaskar StrahlenschildkröteMadagaskar ist frei von großen Tieren, Raubtieren oder lebensgefährlich giftigen Schlangen. Einzige Ausnahmen sind das Krokodil, das in freier Wildbahn allerdings nur noch selten anzutreffen ist, und die bis zu 14 kg schwere Schleichkatze Fossa (fossa fossana) als einzige Raubtiere der Insel. Die Gattungen der madagassischen Tierwelt sind auch heute noch teilweise unerforscht, insbesondere, was die kleineren Arten und Insekten betrifft, die in den unzugänglichen Baumkronen der Regenwälder leben. Auffällig ist der extrem hohe Grad von Endemismus der meisten Gattungen, der sich nach der erdgeschichtlichen Abtrennung Madagaskar vom afrikanischen Kontinent auf seit gut 100 Millionen Jahren isolierten Insel ausbilden konnte. Die einzige Ausnahme sind die Vögel, die nur zu weniger als 50% in Madagaskar endemisch sind.

Lemur Indri Indri im Osten von MadagaskarDie ersten Säugetiere sind wahrscheinlich vor etwa 50 Millionen Jahren über das Meer auf natürlichen Flößen vom afrikanischen Kontinent nach Madagaskar gelangt. Damals war der Abstand der Madagaskars zum afrikanischen Kontinent noch geringer als heute, die Meeresströmungen waren stärker und die ersten Säugetiere konnten auf schwimmenden Baumstämmen und Astwerk die Insel Madagaskar erreichen. Auf diese Weise gelangten nur kleine Lebewesen nach Madagaskar, was erklärt, warum heute große Landsäugetiere auf Madagaskar fehlen.

aepyornis maximus Sklelett in AntananarivoSeit der Mensch vor knapp 2000 Jahren die große Insel erobert hat, sind einige leicht jagdbare und nahrhafte Tierarten bereits verschwunden wie die größten bekannten Lemurenarten der Neuzeit Hadropitecus und Archeolemur, die im 17. Jahrhundert noch auf der Insel beobachtet wurden (Madagassischer Name: tratratratra), und die mit dem Strauss verwandten Riesenvögel Aepyornis maximus, auch Elefantenvogel genannt, von dem in Madagaskar 3 Arten lebten, und Mullerornis, deren Eierschalen noch heute im äußersten Süden Madagaskars gefunden und wieder zusammengesetzt verkauft werden. Die Eier der drei Meter hohen Vögel hatten ein Volumen von bis zu 9 Litern! (Achtung: die Ausfuhr der Eierschalen oder ihrer Bruchstücke ist streng verboten!). Auch das Zwergnilpferd Hippopotamus Lemerlei (madagassisch: lalomena) gehört zu den bereits verschwundenen Arten.

 


Madagascar WildlifeBuchtipp zum Thema Tierleben in Madagaskar: Madagascar Wildlife. A Visitor's Guide; englischsprachig; Verlag Bradt Travel Guide; 176 Seiten, 2008)

 

 

Säugetiere und Nutztiere

Mit nur rund 110 Säugetierarten weist Madagaskar nur eine vergleichbar geringe Vielfalt an Säugetieren auf, die aber zu 100% in Madagaskar endemisch sind (mit Ausnahme der vom Menschen mitgebrachten Haustiere).

Sifaka Lemur im Süden von MadagaskarDie berühmtesten und sympathischsten Tiere des Inselkontinents Madagaskar sind zweifelsfrei die Lemuren, Halbaffen oder genauer gesagt Feuchtnasenaffen, wie man sie nur auf Madagaskar findet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die gesamte Insel mit Ausnahme des zentralen Hochlandes, wo sie nur sehr vereinzelt in Randgebieten anzutreffen sind. (=> weitere Informationen zu den Lemuren auf unserer Lemurenseite... )

Ein weiteres zoologisches Highlight der madagassischen Säugetierwelt ist der ebenfalls endemische igelartige Tanrek oder Tenrek (Borstenigel), der mit den bei uns heimischen Spitzmäusen, Maulwürfen und Igeln verwandt ist. Der Tenrek ist mit etwa 30 Arten in Madagaskar vertreten, die unterschiedlichste Spezialisierungen durchlaufen haben. Tenreks können nur wenige Gramm wiegen, aber auch mehr als ein Kilogramm. Einige leben am Boden, andere im Wasser, wiederum andere klettern zum Jagen auf Bäume. Es gibt borstentragende Arten ebenso wie felltragende. Zu den Tenreks zählen unter anderem die großen Tenreks, die Streifentenreks und die Igeltenreks mit den verbreitetsten Tenrekarten sind Echinops telfairi, hemicentetes nigriceps, hemicentetees semispinosus, setifer setosus, tenfrec ecaudatus). Die Tenreks gehören nicht zu den besonders geschützten Arten und werden daher in Madagaskar gejagt und gegessen.

Fledermaus im Berenty Naturpark, MadagaskarFledermäuse sind mit drei Arten in Madagaskar vertreten, von denen eine, der pteopus rufus auf der Liste der besonders geschützten Arten steht. Fledermäuse gehören in Madagaskar zu den jagbaren Tieren.

Fossa, Croc-Farm, MadagaskarDie Schleichkatze Fossa oder Frettkatze ist mit 8 endemischen Arten in Madagaskar vertreten und ist das größte madagassische Raubtier mit einer Länge von bis zu 1,5 m einschließlich des buschigen Schwanzes und wiegt bis zu 14 kg. Die Frettkatzen jagen Vögel und kleine Säugetiere. Einige Fossaarten wie der Fanaloka (fossa fossana) sind nachtaktiv und ähneln den afrikanischen Ginsterkatzen oder den asiatischen Mungos. Die Fossa sind wehrhafte Einzelgänger. Bei der Paarung geht es häufig äußerst aggressiv zu. Im Jahr 1994 wurde dem Duisburger Zoo die Koordination des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP) für die Fossa übertragen. Der Grund: Als einzigem Zoo in der Welt gelingen am Kaiserberg regelmäßig Fossa-Nachzuchten. Nahezu alle in den Zoos der Welt gehaltenen 70 Fossa entstammen der Zucht des Duisburger Zoos.

Die Madagaskarratte (Hypogeomys antimena) gehört zu den Nagern. Die Tiere werden maus- bis rattengroß. Die Madagaskarratten gehören zur Unterfamilie Nesomyniae, die mit mit insgesamt 15 Arten vertreten ist. Die größten sind die Ratten-Kängurus oder Votsotsas (Hypogeomys antimena). Sie erreichen eine Länge von 30 bis 35 Zentimetern. Ihr Aussehen erinnert an kleine Kängurus, zu denen aber kein verwandtschaftliches Verhältnis besteht. Das Vorkommen der Ratten-Kängurus auf Madagaskar beschränkt sich auf die letzten Flächen mit dicht bestandenen Wäldern. Sie ernähren sich überwiegend von herabgefallenen Früchten. Ihre Bauten sind lange, tiefe Höhlen, die sie selbst graben.

Nutztiere

Zeburind, bos taurus indicus, MadagskarDas bedeutendste Nutztier Madagaskars ist das Rind oder genauer das Buckelrind oder Zebu (wissenschaftlich: bos taurus indidcus; madagassisch: omby), das besonders häufig in den ausgedehnten Savannenlandschaften des Südens und Westens anzutreffen ist. Die Anzahl der madagassischen Rinder dürfte die der Menschen auf der großen Insel bei weitem übersteigen. Das Rind ist nicht nur ein Zeichen für den Reichtum seiner Besitzer, ohne allerdings Einkommensquelle zu sein, sondern auch Kultgegenstand bei allen großen Feierlichkeiten. Es begleitet die ländliche Bevölkerung Madagaskars von der Geburt zum Tod und darüber hinaus als kulinarischer Bestandteil aller wichtigen Ereignisse eines madagassischen Lebens. Es dient als Zahlungsmittel beim Brautkauf ebenso wie als Festschmaus bei Beerdigungen und als Opfertier bei Totenfeiern.

Hausschweine MadagaskarEin weiteres in Madagaskar heimisches Huftier ist eine Unterart des afrikanischen Busch- oder Flussschweins, das noch manchmal anzutreffen ist, während die termitenfressenden Erdferkel bereits ausgestorben sind.

 

 

obenVogelarten Madagaskars

madagassischer Adler bei BetiokyEtwas weniger als die Hälfte der rund 260 Vogelarten Madagaskars ist hier endemisch. Die wichtigsten Gattungen sind 16 Arten Raubvögel (Pilgerfalken), Eulen, Adler, darunter das madagassische Wappentier, der Madagaskar-Seeadler (ankoay) und 65 Arten Singvögel, nicht zu vergessen drei Arten von (grauen und schwarzen) Papageien und zahlreiche Flamingoarten.

Den Fody (Foudia madagascarien

sis) eine braun-graue Spatzenart, trifft man überall auf der Insel. Der Rücken und die Brust der Männchen färben sich knallrot während der Paarungszeit von November bis April.

Eisvogel Vintsy MadagaskarEin besonders farbenfroher Vertereter der madagassischen Vogelwelt ist der Malachit-Eisvogel (Corythornis) auf madagassisch: vintsy.

Derzeit akut vom Aussterben bedroht ist die seltenste Ente der Welt, die Madagaskar-Moorente der Gattung Aythya. Laut Naturschutzorganisationen gibt es nur noch 19 Exemplare dieser Tauchente. Ornithologen haben im Jahr 2009 im Bereich des Alaotra-Sees gerade einmal sechs weibliche Vertreter dieser auf Madagaskar endemischen Moorente gezählt.

Weitere wichtige Vertreter der madagassischen Vogelwelt sind:

  • blauer Vanga (madagassisch: vorontsara elatra): Leptopterus madagascariensis
  • Elefantenvogel, flugunfähiger bis zu 3 m großer und 500 kg schwerer Laufvogel Aepyornis (Vogel Rock in der Legende); noch heute findet man im äussersten Süden am Cap Ste. Marie von dem im 19. Jahrhundert ausgestorbenen Laufvogel Fragmente von Eierschalen der 35 cm großen Eier, die neun Liter Fassungsvermögen haben;
  • Eule (madagassisch: vorondolo): Ninox superciliaris
  • Fody, madagassischer Spatzenvogel (madagassisch: fody): Foudia madagascariensis; der fody ist spatzengroß und färbt sich während der Paarunszeit knallrot
  • Haubenseidenkukuck (madagassisch: tivoka, tsiloko): Coua cristata
  • Raben in Madagaskarheiliger Ibis (madagassisch: Vorombengy): Threskiornis bernieri; Verbreitungsgebiet im Westen im Delta des Mahavavy
    kleiner Laufvogel (madagassisch: fangadiovy, tsakoka): Atelornis pittoides
  • Kuhreiher (madagassisch: vorompotsy): Bubulcus ibis ibis
  • Kurol (madagassisch: vorondreo): Leptosomus discolor; eng mit dem Kuckuck verwandt;
  • Madagaskar Krickente (madagassisch: Mireha): Anas bernieri; Verbreitungsgebiet im Westen im Delta des Mahavavy;
  • Madagaskar Regenpfeifer (madagassisch: Vorombato): Charadrius thoracicus; Verbreitungsgebiet im Westen im Delta des Mahavavy-Flusses;
  • Madagaskarfalke (madagassisch: hitsikitsika): Falco newtoni newtoni
  • Madagaskar-Ohreule (madagassisch: vorondolo): Asio madagascariensis
  • SeevogelMadagaskar-Reiher (madagassisch: Vorompasika): Ardea humbloti; Verbreitungsgebiet im Westen im Delta des Mahavavy
  • Madagaskar-Rotkehlchen (madagassisch: Fitatrala): Copsychus albospecularis;
  • Madagaskar-Schlangenadler: Eutriorchis astur; großer Greifvogel; galt lange Zeit als ausgestorben;
  • Madagaskarseeadler (madagassisch: ankoay): Haliaeetus vociferoides; größter Greifvogel Madagaskars; nur ca. 70 Pärchen leben heute noch in Madagaskar im Westen Madagaskars im Delta des Mahavavy-Flusses
  • madagassischer Kuckucksvogel (madagassisch: Toloho): Centrophus toulou
  • Mähnenibis (madagassisch: akohonala): Lophotibis cristata; eine der größten und eindrucksvollsten en Madagaskars
  • MadagaskarreiherMalachit-Eisvogel: (madagassisch: vintsirano, vintsy): Corythornis vintsioides; zutraulicher Wasservogel; auf französisch: matin pecheur malachite
  • Plilgerfalke: (madagassisch: voromahery): Falco peregrinus radama; Wappentier des Rova-Palastes und des madagassischen Königshauses; vom Aussterben bedroht
  • Riesenkua: in Madagaskar endemische Kukucksart (madagassisch: Lejabe): Coua gigas
  • Schleiereule (madagassisch: tararaka): Tyto alba affinis
  • Sichelvanga (madagassisch: vanga, voronjaza): Falculea palliata
  • Vasapapagei: Coracopsis nigra; madagassische Papageienart; schwarz oder schwarz-weiß gefiedert kleiner Papagai

obenReptilien Madagaskars

Parsons ChamäleonDie insgesamt etwa 360 Reptilienarten Madagaskars verteilen sich auf folgende Gattungen:

  • Krokodile (1 Art),
  • über 180 Eidechsenarten mit 5 Familien: Chamäleons, Leguane, Geckos, Skinke (vertreten durch die Gattung Mabuya) und Schildechsen (Gerrhosauridae).
  • diverse Land- und Wasserschildkröten,
  • Schlangen.

 

Krokodile

Nilkrokodil, crocodylus niloticus, MadagaskarDie madagassischen Krokodile gehören zur Gattung der Nilkrokodile (Crocodylus niloticus; madagassisch: voay oder mamba) und waren früher in vielen Seen und Flussläufen heimisch. Bei einigen Bevölkerungsgruppen gelten die Krokodile quasi als heilig und stehen unter besonderem Schutz und werden sogar regelmäßig mit extra für sie geopferten Rindern gefüttert.

Krokodile werden auch als Nutztiere gehalten und auf Farmen wie der Crocfarm in der Nähe von Antananarivo gezüchtet. Ihr Fleisch wird zu Pastete und Steaks und ihre Haut zu Lederwaren verarbeitet. Auch das Fett der Krokodile ist sehr geschätzt als Medizin gegen Husten.

 

Chamäleons

Chamäleon in MadagaskarChamäleons sind mit rund 60 endemischen Arten in Madagaskar vertreten, was knapp die Hälfte der weltweit bekannten Chamäleon-Arten repräsentiert. Die Chamäleons unterteilen sich in drei Unterfamilien: die Zwergchamäleons der Gattung Brookesia und die sogenannten echten Chamäleons (Chamaeleoninae) mit den Gattungen Calumma und Furcifer.

Die von ihrer Verbreitung in Madagaskar her wichtigsten Chamäleonarten sind Calumma brevicornis, Columma gastrataenia, Calumma nasuta, Columma parsonii, Brookesia supercillaris, Furcifer pardalis und Furcifer lateralis, die häufig in den östlichen und nördlichen Regenwaldregionen anzutreffen sind, Brookesia nasus im Südosten, Furcifer verrucosus im Südwesten und Brookesia stumpfli im Nordwesten. Die Art Brookesia perarmata gilt als besonders gefährdet in ihrem Bestand, bei den anderen geht man von einer leichten Gefährdung aus. Bei Überlandfahrten oder Spaziergängen in allen Teilen Madagaskar sind Chamäleons relativ häufig anzutreffen.

Furcifer Chamäleon, MadagaskarChamäleons können in ihrer Körperform sehr stark variieren. Die größten Chamäleons wie das Parsons Chamäleon sind bis zu 70 cm lang, die kleinsten kaum 3 cm. Typisches Merkmal der Chamäleons ist ein sogenannter Helm, den sie auf ihrem Kopf tragen, der unterschiedlichste Formen annehmen kann. Der Körperbau der Echten Chamäleons ist für ein Leben in den Bäumen ausgerichtet, auch wenn einige Arten auf dem Boden leben. Mit ihrem Körper imitieren sie verschiedene Teile von Pflanzen. Die Echten Chamäleons erinnern mit ihrem Körper an ein Blatt, die Erdchamäleons an altes Holz oder Laub (Brookesia decaeyi). Chamäleons haben zangenförmige Füße und einen Greifschwanz zum Klettern.

Furcifer Chamäleon, MadagaskarChamäleonaugen sind sehr hoch entwickelt. Die Sehschärfe wird durch die Hornhaut bewirkt. Dadurch kann das Chamäleon auf bis zu einen Kilometer Entfernung scharf sehen. Somit kann das Tier mögliche Feinde rasch erkennen und Schutz im Blattwerk suchen. Eine weitere Besonderheit der Chamäleons ist das unabhängige Bewegen der beiden Augen. Der tägliche Gebrauch der Augen folgt einem festen Muster und gilt für jede Chamäleonart: Zuerst wird unabhängig voneinander die gesamte Umgebung abgesucht. Ist ein Beutetier gefunden, wird es mit beiden Augen fokussiert. Die Augen stehen aus dem Kopf heraus, was das Sichtfeld enorm vergrößert.

Chamäleons haben eine einzigartige Schleuderzunge. Sie ist nicht aufgerollt, sondern ist mit einem kurzen Stück Gummiband vergleichbar. Das Zungenbein ist mit zwei Gelenken ausgestattet, die den gesamten Knochen nach vorne schieben können. Im Falle eines Zungenschusses wird das Zungenbein nach vorne geschoben und die Muskulatur der Zunge angespannt, wodurch die Zunge aus dem Maul herausschnellt. Dieser Vorgang geschieht in einer Zehntelsekunde. Dadurch hat das Beutetier keine Chance zu fliehen. Außerdem ist das Ende der Zunge verdickt und teilt sich in zwei Lappen. Hiermit wird dann das Opfer umschlossen.

Parsons Chamäleon, MadagaskarDer Farbwechsel dient bei Chamäleons nicht in erster Linie der Tarnung, sondern vor allem zur Kommunikation mit Artgenossen. Die Bereitschaft zur Balz wird zum Beispiel oft von auffälligeren Farben und Mustern begleitet. Die Färbung hängt zudem von äußeren Faktoren wie Licht, Tageszeit, Luftfeuchtigkeit oder Temperatur ab. Mit zunehmenden Alter und bei Krankheit werden die Farben blasser. Das prinzipiell mögliche Spektrum an Farben und Mustern ist artspezifisch. Einige Arten haben nur ein sehr kleines Farbspektrum (wie zum Beispiel die Stummelschwanzchamäleons) oder können ihre Farbe gar nicht wechseln. Der Farbwechsel läuft art- und situationsabhängig unterschiedlich schnell ab. Am schnellsten wechseln die Farben in Gefahren- oder Kampfsituationen. Um die Farbe zu wechseln, verwenden die Tiere kleinste Muskeln, die darunter liegende Farbpigmente freilegen bzw. überdecken können. Für den Farbwechsel sind drei spezialisierte optische Hautzellentypen (Chromatophoren) verantwortlich, welche unter der Oberhaut in einigen Schichten übereinander liegen.

Parsons Chamäleon (calumma parsonii) in MadagaskarParsons Chamäleon (Calumma parsonii) gehört mit einer Gesamtlänge von bis zu 70 Zentimeter zu den größten Vertretern der Gattung Chamaeleonidae. Parsons Chamäleon lebt ausschließlich im Norden und Osten Madagaskars in dicht bewaldeten Baumkronen der Regenwaldgebiete. Es gibt zwei Unterarten bekannt: das weit verbreitete Calumma p. parsonii erreicht eine Länge von bis zu 68 Zentimeter und hat keinen Rückenkamm. Calumma p. cristifer aus der Nähe von Andasibe wird dagegen nur 47 Zentimeter groß und besitzt einen kleinen Rückenkamm. Bei beiden Unterarten sind die Männchen größer als die Weibchen. Beide Arten sind in unterschiedlichen Farbvarianten anzutreffen.

Furcifer pardalis in MadagaskarFurcifer Chamäleons kommen nur in Madagaskar vor und sind primär in ariden Gebieten des Westens und Südens zu finden, einige wenige sind auf Regenwald spezialisiert. In der Gattung Furcifer finden sich mittelgroße bis große Chamäleons. Diese Tiere haben eine ausgeprägte Färbung und die Fähigkeit zu deutlichen Farbveränderungen. Männchen haben deutlich ausgeprägte Strukturen am Kopf, die bei den Weibchen fehlen oder zumindest weniger deutlich ausgeprägt sind. Ein für diese Gattung typisches Merkmal ist eine deutlich ausgeprägte, runde Helmstruktur. Innerhalb einer Art werden die Männchen größer als die Weibchen, dieser Unterschied ist hier noch stärker ausgeprägt als bei Calumma.

Parsons Chamäleon im Osten von MadagaskarEine Besonderheit stellt die Art Furcifer labordi dar. Sie gehört zu den kurzlebigsten Landwirbeltieren der Welt. Nach dem Ausschlüpfen aus ihrem Ei, in dem sie neun Monate ihres Lebens verbringen, sorgen sie bereits nach drei Monaten wieder für Nachwuchs. Nach der Eiablage sterben sie spätestens im Alter von 5 Monaten. Die Trockenzeit und damit den überwiegenden Teil ihrer Existenz verbringen die Tiere in ihren Eiern. Im November jedes Jahres schlüpft auf Madagaskar eine komplett neue Generation dieser besonderen Reptilien.

brookesiaDie Brookesia oder Stummelschwanzchamäleons (Brookesiinae), gelegentlich auch Zwergchamäleons, Erdchamäleons oder Unechte Chamäleons genannt, sind eine Unterfamilie der Chamäleons (Chamaeleonidae). Derzeit werden ihr etwa 40 Arten zugerechnet. Ihre Größe reicht von 3 cm (Brookesia minima) bis hin zu 16 cm (Rhampholeon spinosum), die meisten Tiere erreichen allerdings nur um die 9 cm. Ihren Namen verdanken Sie ihrem nur rudimentär ausgebildeten Schwanz, der im Gegensatz zu den Echten Chamäleons (Chamaeleoninae) meist nur wenige Millimeter Länge erreicht. Im Gegensatz zu den Echten Chamäleons zeichnen sich Stummelschwanzchamäleons durch unauffällige Farben aus, meist dominieren braun und grün. Zwar sind die Tiere ebenfalls zu Farbänderungen in der Lage, diese bleiben aber aufgrund der geringen Farbpalette vergleichsweise unspektakulär. Stummelschwanzchamäleons stehen anders als echte Chamäleons noch nicht unter Artenschutz, es wird aufgrund der enormen Exporte aus ihren Heimatländern jedoch bereits diskutiert (Stand Herbst 2005). Erdchamäleon Brookesia decaryi

Geckos

großer Madagaskar TaggeckoDie stets gut getarnten Geckos sind mit 70 Arten vertreten, darunter der auffällig grüne Madagaskar-Taggecko phelsuma madagascariensis als bekanntester Vertreter. Die Geckos sind Insektenjäger und können mit ihren Saugfüßen an senkrechten Flächen klettern. Sie unterteilen sich in tagaktive und nachtaktive Arten und sind überall in Magaskar anzutreffen.

Madagaskareidechse

 

 

 

 

 

Leguane

Madagaskar-Leguan (Chalarodon madagascariensis)Die Madagaskar-Leguane sind mit den Gattungen oplurus (6 Arten) und chalaradon (1 Art) in Madagaskar vertreten. Leguane existieren übrigens nicht in Afrika sondern nur in Amerika und Madagaskar. Sie ernähren sich von Insekten und Früchten und werden bis zu 35 cm groß.

schwarzer LeguanDer kleine Madagaskar-Leguan (Chalarodon madagascariensis) gehört zu den Maskenleguanen (Leiocephalidae). Er lebt hauptsächlich im Süden und Südosten Madagaskars, wo er häufig anzutreffen ist. Er erreicht eine Körperlänge von rund 15 Zentimeter sowie eine Schwanzlänge von rund 15 Zentimeter. Der Körperbau ist recht schlank, die Beschuppung graubraun mit einem gelblichen Schimmer. Der Rücken ist mit unregelmäßigen hellen und dunklen Mustern und Flecken versehen. Er ist ein sehr guter Läufer, der sich gut auf dem sandigen Untergrund fortbewegen kann. Die tagaktive Echse ist überwiegend bodenbewohnend. Während des heissen Sommers hält der Kleine Madagaskar-Leguan eine Art Sommerruhe. Während dieser Zeit gräbt er sich im Sand ein oder versteckt sich in Höhlen. Erst zur Regenzeit wird er wieder munter.

Schildkröten

astrochelys radiataDie fünf in Madagaskar heimischen Familien von Landschildkröten sind bis auf die Pelomedusenschildkröten endemisch:

  • die auch in Afrika beheimateten Pelomedusenschildkröten Pelusios castaneus, Pelusios subniger und Pelomedusa subrufa.
  • die Strahlenschildkröten Asterochelys radiata (madagassisch: sokaky) und Asterochelys yniphora (madagassisch: angonoka),
  • die Spinnenschildkröten Pyxis arachnoides und Pyxis planicauda,
  • die Schienenschildkröte Erymnochelys madagascariensis (auf madagassisch: rere),
  • die Gelenkschildkröte Kinixys belliana.

angonokaAußerdem trifft man gelegentlich auch auf die von den Seychellen importierte Riesenschildkröte (Geochelone Gigantea). Die vom Korallenriff von Aldabra stammende madagassische StrahlenschildkröteRiesenschildkröte findet sich z.B. im Zoo von Antananarivo und wird bis zu 150 cm groß und 250 kg schwer. Eine Besonderheit dieser Art ist die Tatsache, dass sie durch ihre Nasenlöcher trinkt.

Am verbreitetsten und bekanntesten sind die bis zu 40 Zentimeter langen Strahlenschildkröten (madagassisch: sokaka) Geochelone radiata, die ihre größte Ausbreitung im Süden der Insel haben.

Strahlenschildkröte astrochelysEin Schildkrötenreservat befindet sich in Ampijoaroa, an der Straße nach Antananarivo 70 km südöstlich von Mahajanga. Hier werden die vom Aussterben bedrohten Arten Geochelone yniphora (madagassisch: angonoka) und Pyxis planicauda gezüchtet.

Außerdem sind 4 Arten Meeresschildkröten und 4 Arten Süsswasserschildkröten in Madagaskar bekannt.

 

Schlangen

Schlange MadagaskarDrei Familien Schlangen und Blindschleichen leben in Madagaskar, unterteilt in mindestens 62 Arten. Drei Boa-Arten sind bekannt, die zwei bis drei Meter lang werden. Die bekannteste ist die Madagaskar-Boa (Acrantophis madagascariensis).

 

 

obenAmphibien: Madagaskarfrösche (Mantellidae)

Mantella AurantiacaIm Jahre 2009 gab es eine Sensation: in Madagaskar wurden von einem Forscherteam unter deutscher Leitung 135 neue Froscharten entdeckt. Bis zu dieser Forschungsarbeit, die in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") veröffentlicht wurde, waren auf Madagaskar 244 Froscharten bekannt. Jetzt sind es mindestens 373, vielleicht sogar 465. Viele von ihnen konnten bis heute nicht klassifiziert werden.

Baumfrosch, MadagaskarDie Madagaskarfrösche (madagassisches Wort für Frosch: sahona) sind die wichtigsten Vertreter der Gattung der Amphibien und gehören zur Familie der Ranidae (Frösche) und bilden dort die lokale Gruppe der Mantellidae mit fünf Gattungen, welche auf Madgaskar endemisch sind. Nach Vences & Glaw sind dies die Gattungen Aglyptodactylus, Boophis, Laliostoma, Mantidactylus und die zahlenmäßig kleinere, aber beliebteste und bekannteste Gattung Mantella.

Tomatenfrosch, Dyscophus antongili, MadagaskarDie Madagaskarfrösche zeichnen sich durch eine teilweise sehr bunte Einfärbung aus, die von orange, gelb, blau bis schwarz reicht, wobei alle Farben auch kombiniert vorkommen können.

Der bekannteste Vertreter ist der einheitlich orangene Goldfrosch (Mantella Aurantiaca) mit einer Körperlänge von 19 - 24 mm, dessen ganzer Körper orangerot bis gelborange gefärbt ist, wobei die Unterseite etwas heller ist.

Tip für Froschliebhaber: Informationen über Madagaskarfrösche sammelt die Internetseite ww.sahonagasy.org mit zahlreichen Fotos und Informationen zu den Madagaskarfrösch.

 

obenKäfer, Raupen, Schmetterlinge und andere Insekten

Libelle in MadagaskarDie Anzahl der in Madagaskar heimischen Insektenarten dürfte weit über über Hunderttausend liegen. Die meisten Insekten, insbesondere die in Baumkronen lebenden, sind noch zu großen Teilen unerforscht. Allein im Jahre 2007 haben deutsche Biologen nicht weniger als 43 unbekannte Arten von Tausendfüßern und anderen Insekten entdeckt, darunter 11 neue Arten von Riesenkugeltausendfüßern, 8 unbekannte Stabschrecken, 2 Gottesanbeterinnen und 4 Libellen.

Riesenkugeltausendfüßer Zoosphaerium im Norden von MadagaskarDie Riesentausendfüßer zeichnen sich nicht nur durch ihren farbenprächtigen Körper, sondern auch durch ihre teilweise erstaunliche Größe aus. Zusammengerollte Riesenkugeltausendfüßer, auch Riesenkugler (Sphaerotheriida) genannt, können in Madagaskar die Größe einer Apfelsine erreichen. Riesenkugler Zoosphaerium im Norden von MadagaskarDie Tiere ernähren sich ausschließlich von altem Laub und vermodertem Holz. Droht den Humusproduzenten Gefahr, so nehmen sie blitzschnell die Form einer nahezu perfekten Kugel an. Die Außenhülle besteht aus dreizehn harten Rumpfsegmenten, die genau in einander passer, so dass die Kugel besonders stabil ist und durch Fressfeinde nicht geöffnet werden werden.

madagassische KrabbenspinneDarüberhinaus sind rund 20.000 Käfer zumeist endemisch, einzelne Arten werden mehrere Zentimeter lang, andere haben nashornartige Köpfe oder ein ungewöhnliches Aussehen wie der bizarre männliche Giraffenkäfer, dessen leuchtend roter Körper in einen überlangen, geknickten Hals übergeht.

SchmetterlingstanzMadagaskar ist mit 3.000 Arten auch ein Paradies für Motten und Schmetterlinge, die in allen Farben schillern und spektakuläre Muster aufweisen - oder trockenen Blättern oder verwitterten Baumrinden gleichen. Eine besonders schöne Art ist der Charaxes andara. Schmetterlinge können so gross wie eine Handfläche sein, besondere Exemplare werden bis zu 50 cm lang.

Käfer am Montagne d'ambre, MadagaskarAuch Fliegen und Mücken gibt es in Madagaskar in großer Zahl. Besonders störend sind stecknadelgrosse Fliegen, Sandflöhe, mit weissen Flügelchen (mokafohy), die an Stränden leben und juckende Stiche verursachen. Die weibliche Anopheles-Stechmücke überträgt Malaria und gedeiht insbesonders im feuchtheißen Klima der Ostküste. Sie sticht bevorzugt in den frühen Abendstunden.

Raupe am Montagne d'AmbreWespen bauen graue papierene Nester und Bienen sammeln Honig. Der madagassische Name für Bienen ist renitantely, was Mutter des Honigs bedeutet. Baumameisen errichten in Astgabeln Lehmnester, die bis einen halben Meter dick werden. Oder sie errichten Nestkuppeln, die wie ein abgestorbener Baumauswuchs aussehen.

Zikaden beginnen ihr zirpendes Konzert beim Eindunkeln. Eine Zikaden-Art (ptyelus goudoti) lebt auf den Jacarandas, von denen während der Blütezeit im November dicke Tropfen fallen, weil sich die Larven eingraben.

Im dichten Wald leben kleine Blutegel (madagassisch: dinta), die sich bei Waldspaziergängen überall an der Haut und gar an den Augenlidern festklammern können.

Weiterhin gibt es gibt 12 Skorpionarten, über 400 Spinnenarten, darunter die größte Spinnenart der Welt, die Nephila komaci, deren Weibchen eine Körperlänge von 3 cm und eine Beinlänge von 12 cm erreichen, während die Männchen 5 mal kleiner sind. Darüberhninaus findet man in Madagaskar zehntausende von Insektenarten wie Libellen und Termiten, die bis zu 25 cm langen, stets gut getarnten Stabheuschrecken und die von Zeit zu Zeit ganze Landstriche verwüstenden Wanderheuschrecken.

obenFische und andere Meerestiere

Im Indischen Ozean schwimmt eine Vielzahl an Fischen: Schwertfisch, Rochen, Barracuda, Capitain und viele mehr werden gefischt und sind in Restaurants zu haben, ebenso wie Tintenfisch, Langusten, Krabben und Austern.

Seeigel MahamboVor Toliara und um Nosy Be finden sich grosse Korallenriffe mit ihrer farbenprächtigen Flora und Fauna. Diese Unterwasserwelt hat sich zu einem paradiesischen Ziel für Schnorchler und Taucher entwickelt, die sich an den rosa und weissen Korallengebilden und den in allen Regenbogenfarben schillernden Fischen nicht satt sehen können.

Buckelwale (megaptera novaeangliae)

Der Indische Ozean ist die Heimat der Buckelwale (megaptera novaeangliae). In der Zeit der Geburt der Jungen und der Paarung (ab Mitte August bis September) zieht es die Buckelwale an die Küsten Madagaskar, wo man sie unter anderem im Osten in der Bucht von Antongil und rund um die Insel Ste. Marie beobachten kann. Hier gebären die riesigen Tiere, die über 15m lang werden und 30t bis 40t wiegen, ihre tonnenschweren Jungen, um dann im September wieder in Richtung Süden in die antarktischen Gewässer zu ziehen.

Das Zentrum für kommerzielle Walbeobachtung für Touristen und Wissenschaftler ist die Insel Ste. Marie (nosy boraha) vor der Ostküste Madagaskars. Die Vereinigung G.O.T. organisiert Erkundungsfahrten und Konferenzen. Ein weiterer Ort, wo die Wale ab Mitte August bobachtet werden können, ist Maroantsetra in der Bucht von Antongil im Osten Madagaskars in der Bucht von Antongil.

Weitere Informationen bei madainfo.de: Planzenwelt Madagaskars - Lemuren - Landschaften

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