Die Tiere Madagaskars
Die Tierwelt Madagaskars ist artenreich und mit etwa 95% zu einem erstaunlich hohen Prozentsatz endemisch, das heißt, sie kommt nur auf Madagaskar vor. Die Vertreter der madagassischen Fauna lassen sich zusammenfassen in 110 Säugetierarten (davon alleine über 70 Lemurearten), 260 Vogelarten, 205 Amphibienarten, 360 Reptilienarten, 100.000 Insektenarten, 300 Arten Schmetterlinge, 150 Arten Süßwasserfische und zahlreiche Meeresfische.
Madagaskar
ist frei von großen Tieren, Raubtieren oder lebensgefährlich
giftigen Schlangen. Einzige Ausnahmen sind das Krokodil, das in freier
Wildbahn allerdings nur noch selten anzutreffen ist, und die bis zu
14 kg schwere Schleichkatze Fossa (fossa
fossana) als einzige Raubtiere der Insel. Die Gattungen der
madagassischen Tierwelt sind auch heute noch teilweise unerforscht,
insbesondere, was die kleineren Arten und Insekten betrifft, die in
den unzugänglichen Baumkronen der Regenwälder leben. Auffällig
ist der extrem hohe Grad von Endemismus der meisten Gattungen, der
sich nach der erdgeschichtlichen Abtrennung Madagaskar vom afrikanischen
Kontinent auf seit gut 100 Millionen Jahren isolierten Insel ausbilden
konnte. Die einzige Ausnahme sind die Vögel, die nur zu weniger
als 50% in Madagaskar endemisch sind.
Die ersten Säugetiere sind wahrscheinlich vor etwa 50 Millionen Jahren über das Meer auf natürlichen Flößen vom afrikanischen Kontinent nach Madagaskar gelangt. Damals war der Abstand der Madagaskars zum afrikanischen Kontinent noch geringer als heute, die Meeresströmungen waren stärker und die ersten Säugetiere konnten auf schwimmenden Baumstämmen und Astwerk die Insel Madagaskar erreichen. Auf diese Weise gelangten nur kleine Lebewesen nach Madagaskar, was erklärt, warum heute große Landsäugetiere auf Madagaskar fehlen.
Seit
der Mensch vor knapp 2000 Jahren die große Insel erobert hat,
sind einige leicht jagdbare und nahrhafte Tierarten bereits verschwunden
wie die größten bekannten Lemurenarten der Neuzeit Hadropitecus und Archeolemur,
die im 17. Jahrhundert noch auf der Insel beobachtet wurden (Madagassischer
Name: tratratratra), und die mit dem Strauss verwandten Riesenvögel Aepyornis
maximus, auch Elefantenvogel genannt,
von dem in Madagaskar 3 Arten lebten, und Mullerornis, deren
Eierschalen noch heute im äußersten Süden Madagaskars
gefunden und wieder zusammengesetzt verkauft werden. Die Eier der drei
Meter hohen Vögel hatten ein Volumen von bis zu 9 Litern! (Achtung:
die Ausfuhr der Eierschalen oder ihrer Bruchstücke ist streng
verboten!). Auch das Zwergnilpferd Hippopotamus Lemerlei (madagassisch: lalomena)
gehört zu den bereits verschwundenen Arten.
Säugetiere und Nutztiere
Mit nur rund 110 Säugetierarten weist Madagaskar nur eine vergleichbar geringe Vielfalt an Säugetieren auf, die aber zu 100% in Madagaskar endemisch sind (mit Ausnahme der vom Menschen mitgebrachten Haustiere).
Die berühmtesten und sympathischsten Tiere des Inselkontinents
Madagaskar sind zweifelsfrei die Lemuren,
Halbaffen oder genauer gesagt Feuchtnasenaffen,
wie man sie nur auf Madagaskar findet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt
sich
über die gesamte Insel mit Ausnahme des zentralen Hochlandes,
wo sie nur sehr vereinzelt in Randgebieten anzutreffen sind. (=> weitere Informationen
zu den Lemuren auf unserer Lemurenseite... )
Ein weiteres zoologisches Highlight der madagassischen Säugetierwelt ist der ebenfalls endemische igelartige Tanrek oder Tenrek (Borstenigel), der mit den bei uns heimischen Spitzmäusen, Maulwürfen und Igeln verwandt ist. Der Tenrek ist mit etwa 30 Arten in Madagaskar vertreten, die unterschiedlichste Spezialisierungen durchlaufen haben. Tenreks können nur wenige Gramm wiegen, aber auch mehr als ein Kilogramm. Einige leben am Boden, andere im Wasser, wiederum andere klettern zum Jagen auf Bäume. Es gibt borstentragende Arten ebenso wie felltragende. Zu den Tenreks zählen unter anderem die großen Tenreks, die Streifentenreks und die Igeltenreks mit den verbreitetsten Tenrekarten sind Echinops telfairi, hemicentetes nigriceps, hemicentetees semispinosus, setifer setosus, tenfrec ecaudatus). Die Tenreks gehören nicht zu den besonders geschützten Arten und werden daher in Madagaskar gejagt und gegessen.
Fledermäuse sind
mit drei Arten in Madagaskar vertreten, von denen eine, der pteopus
rufus auf der Liste der besonders geschützten Arten steht.
Fledermäuse gehören in Madagaskar zu den jagbaren Tieren.
Die Schleichkatze Fossa oder Frettkatze ist
mit 8 endemischen Arten in Madagaskar vertreten und ist das
größte madagassische Raubtier mit einer Länge
von bis zu 1,5 m einschließlich des buschigen Schwanzes und wiegt
bis zu 14 kg. Die Frettkatzen jagen Vögel und kleine Säugetiere.
Einige Fossaarten wie der Fanaloka (fossa
fossana) sind nachtaktiv und
ähneln den afrikanischen Ginsterkatzen oder den asiatischen Mungos.
Die Fossa sind wehrhafte Einzelgänger. Bei der Paarung geht es
häufig äußerst aggressiv zu. Im Jahr 1994 wurde dem
Duisburger Zoo die Koordination des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes
(EEP) für die Fossa übertragen. Der Grund: Als einzigem Zoo
in der Welt gelingen am Kaiserberg regelmäßig Fossa-Nachzuchten.
Nahezu alle in den Zoos der Welt gehaltenen 70 Fossa entstammen der
Zucht des Duisburger Zoos.
Die Madagaskarratte (Hypogeomys antimena) gehört zu den Nagern. Die Tiere werden maus- bis rattengroß. Die Madagaskarratten gehören zur Unterfamilie Nesomyniae, die mit mit insgesamt 15 Arten vertreten ist. Die größten sind die Ratten-Kängurus oder Votsotsas (Hypogeomys antimena). Sie erreichen eine Länge von 30 bis 35 Zentimetern. Ihr Aussehen erinnert an kleine Kängurus, zu denen aber kein verwandtschaftliches Verhältnis besteht. Das Vorkommen der Ratten-Kängurus auf Madagaskar beschränkt sich auf die letzten Flächen mit dicht bestandenen Wäldern. Sie ernähren sich überwiegend von herabgefallenen Früchten. Ihre Bauten sind lange, tiefe Höhlen, die sie selbst graben.
Nutztiere
Das
bedeutendste Nutztier Madagaskars
ist das Rind oder genauer das Buckelrind oder Zebu (wissenschaftlich: bos
taurus indidcus; madagassisch: omby), das besonders häufig
in den ausgedehnten Savannenlandschaften des Südens und Westens
anzutreffen ist. Die Anzahl der madagassischen Rinder dürfte die
der Menschen auf der großen Insel bei weitem übersteigen.
Das Rind ist nicht nur ein Zeichen für den Reichtum seiner Besitzer,
ohne allerdings Einkommensquelle zu sein, sondern auch Kultgegenstand
bei allen großen Feierlichkeiten. Es begleitet die ländliche
Bevölkerung Madagaskars von der Geburt zum Tod und darüber
hinaus als kulinarischer Bestandteil aller wichtigen Ereignisse eines
madagassischen Lebens. Es dient als Zahlungsmittel beim Brautkauf ebenso
wie als Festschmaus bei Beerdigungen und als Opfertier bei Totenfeiern.
Ein
weiteres in Madagaskar heimisches Huftier ist eine Unterart des afrikanischen Busch-
oder Flussschweins, das noch manchmal anzutreffen ist, während
die termitenfressenden Erdferkel bereits ausgestorben sind.
Vogelarten
Madagaskars
Etwas
weniger als die Hälfte der rund 260 Vogelarten Madagaskars ist
hier endemisch. Die wichtigsten Gattungen sind 16 Arten Raubvögel
(Pilgerfalken), Eulen, Adler, darunter das madagassische Wappentier,
der Madagaskar-Seeadler (ankoay)
und 65 Arten Singvögel, nicht zu vergessen drei Arten von (grauen
und schwarzen) Papageien und zahlreiche Flamingoarten.
Den Fody (Foudia madagascarien
sis) eine braun-graue Spatzenart, trifft man überall auf der Insel. Der Rücken und die Brust der Männchen färben sich knallrot während der Paarungszeit von November bis April.
Ein besonders farbenfroher Vertereter der madagassischen
Vogelwelt ist der Malachit-Eisvogel (Corythornis)
auf madagassisch: vintsy.
Derzeit akut vom Aussterben bedroht ist die seltenste Ente der Welt, die Madagaskar-Moorente der Gattung Aythya. Laut Naturschutzorganisationen gibt es nur noch 19 Exemplare dieser Tauchente. Ornithologen haben im Jahr 2009 im Bereich des Alaotra-Sees gerade einmal sechs weibliche Vertreter dieser auf Madagaskar endemischen Moorente gezählt.
Weitere wichtige Vertreter der madagassischen Vogelwelt sind:
- blauer Vanga (madagassisch: vorontsara elatra): Leptopterus madagascariensis
- Elefantenvogel, flugunfähiger bis zu 3 m großer und 500 kg schwerer Laufvogel Aepyornis (Vogel Rock in der Legende); noch heute findet man im äussersten Süden am Cap Ste. Marie von dem im 19. Jahrhundert ausgestorbenen Laufvogel Fragmente von Eierschalen der 35 cm großen Eier, die neun Liter Fassungsvermögen haben;
- Eule (madagassisch: vorondolo): Ninox superciliaris
- Fody, madagassischer Spatzenvogel (madagassisch: fody): Foudia madagascariensis; der fody ist spatzengroß und färbt sich während der Paarunszeit knallrot
- Haubenseidenkukuck (madagassisch: tivoka, tsiloko): Coua cristata
-
heiliger
Ibis (madagassisch: Vorombengy): Threskiornis
bernieri; Verbreitungsgebiet im Westen im Delta des Mahavavy
kleiner Laufvogel (madagassisch: fangadiovy, tsakoka): Atelornis pittoides - Kuhreiher (madagassisch: vorompotsy): Bubulcus ibis ibis
- Kurol (madagassisch: vorondreo): Leptosomus discolor; eng mit dem Kuckuck verwandt;
- Madagaskar Krickente (madagassisch: Mireha): Anas bernieri; Verbreitungsgebiet im Westen im Delta des Mahavavy;
- Madagaskar Regenpfeifer (madagassisch: Vorombato): Charadrius thoracicus; Verbreitungsgebiet im Westen im Delta des Mahavavy-Flusses;
- Madagaskarfalke (madagassisch: hitsikitsika): Falco newtoni newtoni
- Madagaskar-Ohreule (madagassisch: vorondolo): Asio madagascariensis
-
Madagaskar-Reiher (madagassisch:
Vorompasika): Ardea humbloti; Verbreitungsgebiet im Westen im Delta
des Mahavavy - Madagaskar-Rotkehlchen (madagassisch: Fitatrala): Copsychus albospecularis;
- Madagaskar-Schlangenadler: Eutriorchis astur; großer Greifvogel; galt lange Zeit als ausgestorben;
- Madagaskarseeadler (madagassisch: ankoay): Haliaeetus vociferoides; größter Greifvogel Madagaskars; nur ca. 70 Pärchen leben heute noch in Madagaskar im Westen Madagaskars im Delta des Mahavavy-Flusses
- madagassischer Kuckucksvogel (madagassisch: Toloho): Centrophus toulou
- Mähnenibis (madagassisch: akohonala): Lophotibis cristata; eine der größten und eindrucksvollsten en Madagaskars
-
Malachit-Eisvogel: (madagassisch: vintsirano, vintsy): Corythornis vintsioides; zutraulicher Wasservogel; auf französisch: matin pecheur malachite
- Plilgerfalke: (madagassisch: voromahery): Falco peregrinus radama; Wappentier des Rova-Palastes und des madagassischen Königshauses; vom Aussterben bedroht
- Riesenkua: in Madagaskar endemische Kukucksart (madagassisch: Lejabe): Coua gigas
- Schleiereule (madagassisch: tararaka): Tyto alba affinis
- Sichelvanga (madagassisch: vanga, voronjaza): Falculea palliata
- Vasapapagei: Coracopsis
nigra; madagassische Papageienart; schwarz oder schwarz-weiß
gefiedert kleiner Papagai
Reptilien
Madagaskars
Die
insgesamt etwa 360 Reptilienarten Madagaskars
verteilen sich auf folgende Gattungen:
- Krokodile (1 Art),
- über 180 Eidechsenarten mit 5 Familien: Chamäleons, Leguane, Geckos, Skinke (vertreten durch die Gattung Mabuya) und Schildechsen (Gerrhosauridae).
- diverse Land- und Wasserschildkröten,
- Schlangen.
Krokodile
Die
madagassischen Krokodile gehören
zur Gattung der Nilkrokodile (Crocodylus
niloticus; madagassisch: voay oder mamba) und
waren früher in vielen Seen und Flussläufen heimisch. Bei einigen Bevölkerungsgruppen
gelten die Krokodile quasi als heilig und stehen unter besonderem Schutz
und werden
sogar regelmäßig mit extra für sie geopferten Rindern
gefüttert.
Krokodile werden auch als Nutztiere gehalten und auf Farmen wie der Crocfarm in der Nähe von Antananarivo gezüchtet. Ihr Fleisch wird zu Pastete und Steaks und ihre Haut zu Lederwaren verarbeitet. Auch das Fett der Krokodile ist sehr geschätzt als Medizin gegen Husten.
Chamäleons
Chamäleons sind
mit rund 60 endemischen Arten in Madagaskar vertreten, was knapp die Hälfte
der weltweit bekannten Chamäleon-Arten repräsentiert. Die
Chamäleons unterteilen sich in drei Unterfamilien: die Zwergchamäleons der Gattung Brookesia und die
sogenannten echten Chamäleons (Chamaeleoninae) mit den Gattungen Calumma und Furcifer.
Die von ihrer Verbreitung in Madagaskar her wichtigsten Chamäleonarten sind Calumma brevicornis, Columma gastrataenia, Calumma nasuta, Columma parsonii, Brookesia supercillaris, Furcifer pardalis und Furcifer lateralis, die häufig in den östlichen und nördlichen Regenwaldregionen anzutreffen sind, Brookesia nasus im Südosten, Furcifer verrucosus im Südwesten und Brookesia stumpfli im Nordwesten. Die Art Brookesia perarmata gilt als besonders gefährdet in ihrem Bestand, bei den anderen geht man von einer leichten Gefährdung aus. Bei Überlandfahrten oder Spaziergängen in allen Teilen Madagaskar sind Chamäleons relativ häufig anzutreffen.
Chamäleons können in ihrer Körperform sehr stark variieren. Die größten Chamäleons wie das Parsons Chamäleon sind
bis zu 70 cm lang, die kleinsten kaum 3 cm. Typisches Merkmal der Chamäleons ist ein sogenannter Helm, den sie auf ihrem Kopf tragen, der unterschiedlichste Formen annehmen kann. Der Körperbau der Echten Chamäleons ist für ein Leben in den Bäumen ausgerichtet, auch wenn einige Arten auf dem Boden leben. Mit ihrem Körper imitieren sie verschiedene Teile von Pflanzen. Die Echten Chamäleons erinnern mit ihrem Körper an ein Blatt, die Erdchamäleons an altes Holz oder Laub (Brookesia decaeyi). Chamäleons haben zangenförmige Füße und einen Greifschwanz zum Klettern.
Chamäleonaugen sind sehr hoch entwickelt. Die Sehschärfe wird durch die Hornhaut bewirkt. Dadurch kann das Chamäleon auf bis zu einen Kilometer Entfernung scharf sehen. Somit kann das Tier mögliche Feinde rasch erkennen und Schutz im Blattwerk suchen. Eine weitere Besonderheit der Chamäleons ist das unabhängige Bewegen der beiden Augen. Der tägliche Gebrauch der Augen folgt einem festen Muster und gilt für jede Chamäleonart: Zuerst wird unabhängig voneinander die gesamte Umgebung abgesucht. Ist ein Beutetier gefunden, wird es mit beiden Augen fokussiert. Die Augen stehen aus dem Kopf heraus, was das Sichtfeld enorm vergrößert.
Chamäleons haben eine einzigartige Schleuderzunge. Sie ist nicht aufgerollt, sondern ist mit einem kurzen Stück Gummiband vergleichbar. Das Zungenbein ist mit zwei Gelenken ausgestattet, die den gesamten Knochen nach vorne schieben können. Im Falle eines Zungenschusses wird das Zungenbein nach vorne geschoben und die Muskulatur der Zunge angespannt, wodurch die Zunge aus dem Maul herausschnellt. Dieser Vorgang geschieht in einer Zehntelsekunde. Dadurch hat das Beutetier keine Chance zu fliehen. Außerdem ist das Ende der Zunge verdickt und teilt sich in zwei Lappen. Hiermit wird dann das Opfer umschlossen.
Der Farbwechsel dient bei Chamäleons nicht in erster Linie der Tarnung, sondern vor allem zur Kommunikation mit Artgenossen. Die Bereitschaft zur Balz wird zum Beispiel oft von auffälligeren Farben und Mustern begleitet. Die Färbung hängt zudem von äußeren Faktoren wie Licht, Tageszeit, Luftfeuchtigkeit oder Temperatur ab. Mit zunehmenden Alter und bei Krankheit werden die Farben blasser. Das prinzipiell mögliche Spektrum an Farben und Mustern ist artspezifisch. Einige Arten haben nur ein sehr kleines Farbspektrum (wie zum Beispiel die Stummelschwanzchamäleons) oder können ihre Farbe gar nicht wechseln. Der Farbwechsel läuft art- und situationsabhängig unterschiedlich schnell ab. Am schnellsten wechseln die Farben in Gefahren- oder Kampfsituationen. Um die Farbe zu wechseln, verwenden die Tiere kleinste Muskeln, die darunter liegende Farbpigmente freilegen bzw. überdecken können. Für den Farbwechsel sind drei spezialisierte optische Hautzellentypen (Chromatophoren) verantwortlich, welche unter der Oberhaut in einigen Schichten übereinander liegen.
Parsons Chamäleon (Calumma parsonii) gehört mit einer Gesamtlänge von bis zu 70 Zentimeter zu den größten Vertretern der Gattung Chamaeleonidae. Parsons Chamäleon lebt ausschließlich im Norden und Osten Madagaskars in dicht bewaldeten Baumkronen der Regenwaldgebiete. Es gibt zwei Unterarten bekannt: das weit verbreitete Calumma p. parsonii erreicht eine Länge von bis zu 68 Zentimeter und hat keinen Rückenkamm. Calumma p. cristifer aus der Nähe von Andasibe wird dagegen nur 47 Zentimeter groß und besitzt einen kleinen Rückenkamm. Bei beiden Unterarten sind die Männchen größer als die Weibchen. Beide Arten sind in unterschiedlichen Farbvarianten anzutreffen.
Furcifer Chamäleons kommen nur in Madagaskar vor und sind primär in ariden Gebieten des Westens und Südens zu finden, einige wenige sind auf Regenwald spezialisiert. In der Gattung Furcifer finden sich mittelgroße bis große Chamäleons. Diese Tiere haben eine ausgeprägte Färbung und die Fähigkeit zu deutlichen Farbveränderungen. Männchen haben deutlich ausgeprägte Strukturen am Kopf, die bei den Weibchen fehlen oder zumindest weniger deutlich ausgeprägt sind. Ein für diese Gattung typisches Merkmal ist eine deutlich ausgeprägte, runde Helmstruktur. Innerhalb einer Art werden die Männchen größer als die Weibchen, dieser Unterschied ist hier noch stärker ausgeprägt als bei Calumma.
Eine Besonderheit stellt die Art Furcifer labordi dar.
Sie gehört zu den kurzlebigsten Landwirbeltieren der Welt. Nach
dem Ausschlüpfen aus ihrem Ei, in dem sie neun Monate ihres Lebens
verbringen, sorgen sie bereits nach drei Monaten wieder für Nachwuchs.
Nach der Eiablage sterben sie spätestens im Alter von 5 Monaten.
Die Trockenzeit und damit den überwiegenden Teil ihrer Existenz
verbringen die Tiere in ihren Eiern. Im November jedes Jahres schlüpft
auf Madagaskar eine komplett neue Generation dieser besonderen Reptilien.
Die Brookesia oder Stummelschwanzchamäleons (Brookesiinae), gelegentlich auch Zwergchamäleons, Erdchamäleons oder Unechte Chamäleons genannt, sind eine Unterfamilie der Chamäleons (Chamaeleonidae). Derzeit werden ihr etwa 40 Arten zugerechnet. Ihre Größe reicht von 3 cm (Brookesia minima) bis hin zu 16 cm (Rhampholeon spinosum), die meisten Tiere erreichen allerdings nur um die 9 cm. Ihren Namen verdanken Sie ihrem nur rudimentär ausgebildeten Schwanz, der im Gegensatz zu den Echten Chamäleons (Chamaeleoninae) meist nur wenige Millimeter Länge erreicht. Im Gegensatz zu den Echten Chamäleons zeichnen sich Stummelschwanzchamäleons durch unauffällige Farben aus, meist dominieren braun und grün. Zwar sind die Tiere ebenfalls zu Farbänderungen in der Lage, diese bleiben aber aufgrund der geringen Farbpalette vergleichsweise unspektakulär. Stummelschwanzchamäleons stehen anders als echte Chamäleons noch nicht unter Artenschutz, es wird aufgrund der enormen Exporte aus ihren Heimatländern jedoch bereits diskutiert (Stand Herbst 2005). Erdchamäleon Brookesia decaryi
Geckos
Die
stets gut getarnten Geckos sind
mit 70 Arten vertreten, darunter der auffällig grüne Madagaskar-Taggecko phelsuma
madagascariensis als bekanntester Vertreter. Die Geckos sind
Insektenjäger und können mit ihren Saugfüßen an
senkrechten Flächen klettern. Sie unterteilen sich in tagaktive
und nachtaktive Arten und sind überall in Magaskar anzutreffen.
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Leguane
Die Madagaskar-Leguane sind
mit den Gattungen oplurus (6
Arten) und chalaradon (1 Art)
in Madagaskar vertreten. Leguane existieren übrigens nicht in
Afrika sondern nur in Amerika und Madagaskar. Sie ernähren sich
von Insekten und Früchten und werden bis zu 35 cm groß.
Der kleine Madagaskar-Leguan (Chalarodon madagascariensis) gehört zu den Maskenleguanen (Leiocephalidae). Er lebt hauptsächlich im Süden und Südosten Madagaskars, wo er häufig anzutreffen ist. Er erreicht eine Körperlänge von rund 15 Zentimeter sowie eine Schwanzlänge von rund 15 Zentimeter. Der Körperbau ist recht schlank, die Beschuppung graubraun mit einem gelblichen Schimmer. Der Rücken ist mit unregelmäßigen hellen und dunklen Mustern und Flecken versehen. Er ist ein sehr guter Läufer, der sich gut auf dem sandigen Untergrund fortbewegen kann. Die tagaktive Echse ist überwiegend bodenbewohnend. Während des heissen Sommers hält der Kleine Madagaskar-Leguan eine Art Sommerruhe. Während dieser Zeit gräbt er sich im Sand ein oder versteckt sich in Höhlen. Erst zur Regenzeit wird er wieder munter.
Schildkröten
Die
fünf in Madagaskar heimischen Familien von Landschildkröten sind
bis auf die Pelomedusenschildkröten endemisch:
- die auch in Afrika beheimateten Pelomedusenschildkröten Pelusios castaneus, Pelusios subniger und Pelomedusa subrufa.
- die Strahlenschildkröten Asterochelys radiata (madagassisch: sokaky) und Asterochelys yniphora (madagassisch: angonoka),
- die Spinnenschildkröten Pyxis arachnoides und Pyxis planicauda,
- die Schienenschildkröte Erymnochelys madagascariensis (auf madagassisch: rere),
- die Gelenkschildkröte Kinixys belliana.
Außerdem
trifft man gelegentlich auch auf die von den Seychellen importierte Riesenschildkröte (Geochelone
Gigantea). Die vom Korallenriff von Aldabra stammende
Riesenschildkröte
findet sich z.B. im Zoo von Antananarivo und wird bis zu 150 cm groß und
250 kg schwer. Eine Besonderheit dieser Art ist die Tatsache, dass
sie durch ihre Nasenlöcher trinkt.
Am verbreitetsten und bekanntesten sind die bis zu 40 Zentimeter langen Strahlenschildkröten (madagassisch: sokaka) Geochelone radiata, die ihre größte Ausbreitung im Süden der Insel haben.
Ein
Schildkrötenreservat befindet sich in Ampijoaroa, an
der Straße nach Antananarivo 70 km südöstlich von Mahajanga.
Hier werden die vom Aussterben bedrohten Arten Geochelone yniphora (madagassisch: angonoka)
und Pyxis planicauda gezüchtet.
Außerdem sind 4 Arten Meeresschildkröten und 4 Arten Süsswasserschildkröten in Madagaskar bekannt.
Schlangen
Drei Familien Schlangen und Blindschleichen leben
in Madagaskar, unterteilt in mindestens 62 Arten. Drei Boa-Arten sind
bekannt, die zwei bis drei Meter lang werden. Die bekannteste ist die Madagaskar-Boa (Acrantophis
madagascariensis).
Amphibien: Madagaskarfrösche
(Mantellidae)
Im Jahre 2009 gab es eine Sensation: in Madagaskar wurden von einem Forscherteam unter deutscher Leitung 135 neue Froscharten entdeckt. Bis zu dieser Forschungsarbeit, die in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS") veröffentlicht wurde, waren auf Madagaskar 244 Froscharten bekannt. Jetzt sind es mindestens 373, vielleicht sogar 465. Viele von ihnen konnten bis heute nicht klassifiziert werden.
Die Madagaskarfrösche (madagassisches Wort für Frosch: sahona) sind die wichtigsten Vertreter der Gattung der Amphibien und gehören
zur Familie der Ranidae (Frösche)
und bilden dort die lokale Gruppe der Mantellidae mit fünf Gattungen, welche auf Madgaskar endemisch sind.
Nach Vences & Glaw sind
dies die Gattungen Aglyptodactylus, Boophis, Laliostoma, Mantidactylus und die zahlenmäßig
kleinere, aber beliebteste und bekannteste Gattung Mantella.
Die Madagaskarfrösche zeichnen sich durch
eine teilweise sehr bunte Einfärbung aus, die von orange, gelb, blau bis
schwarz reicht, wobei alle Farben auch kombiniert vorkommen können.
Der bekannteste Vertreter ist der einheitlich orangene Goldfrosch (Mantella Aurantiaca) mit einer Körperlänge von 19 - 24 mm, dessen ganzer Körper orangerot bis gelborange gefärbt ist, wobei die Unterseite etwas heller ist.
Tip für Froschliebhaber: Informationen über Madagaskarfrösche sammelt die Internetseite ww.sahonagasy.org mit zahlreichen Fotos und Informationen zu den Madagaskarfrösch.
Käfer,
Raupen, Schmetterlinge und andere Insekten
Die
Anzahl der in Madagaskar heimischen Insektenarten dürfte weit über
über Hunderttausend liegen. Die meisten Insekten, insbesondere
die in Baumkronen lebenden, sind noch zu großen Teilen unerforscht.
Allein im Jahre 2007 haben deutsche Biologen nicht weniger als 43 unbekannte
Arten von Tausendfüßern und anderen Insekten entdeckt, darunter
11 neue Arten von Riesenkugeltausendfüßern, 8 unbekannte
Stabschrecken, 2 Gottesanbeterinnen und 4 Libellen.
Die Riesentausendfüßer zeichnen
sich nicht nur durch ihren farbenprächtigen Körper,
sondern auch durch ihre teilweise erstaunliche Größe aus.
Zusammengerollte Riesenkugeltausendfüßer,
auch Riesenkugler (Sphaerotheriida)
genannt, können in Madagaskar die Größe einer Apfelsine
erreichen.
Die
Tiere ernähren sich ausschließlich von altem Laub und vermodertem
Holz. Droht den Humusproduzenten Gefahr, so nehmen sie blitzschnell
die Form einer nahezu perfekten Kugel an. Die Außenhülle
besteht aus dreizehn harten Rumpfsegmenten, die genau in einander passer,
so dass die Kugel besonders stabil ist und durch Fressfeinde nicht
geöffnet werden werden.
Darüberhinaus
sind rund 20.000 Käfer zumeist
endemisch, einzelne Arten werden mehrere Zentimeter lang, andere haben
nashornartige Köpfe oder ein ungewöhnliches Aussehen wie
der bizarre männliche Giraffenkäfer,
dessen leuchtend roter Körper in einen überlangen, geknickten
Hals übergeht.
Madagaskar
ist mit 3.000 Arten auch ein Paradies für Motten und Schmetterlinge,
die in allen Farben schillern und spektakuläre Muster aufweisen
- oder trockenen Blättern oder verwitterten Baumrinden gleichen.
Eine besonders schöne Art ist der Charaxes
andara. Schmetterlinge können so gross wie eine Handfläche
sein, besondere Exemplare werden bis zu 50 cm lang.
Auch
Fliegen und Mücken gibt es in Madagaskar in großer
Zahl. Besonders störend sind stecknadelgrosse Fliegen, Sandflöhe,
mit weissen Flügelchen (mokafohy), die an Stränden
leben und juckende Stiche verursachen. Die weibliche Anopheles-Stechmücke überträgt
Malaria und gedeiht insbesonders im feuchtheißen Klima der Ostküste.
Sie sticht bevorzugt in den frühen Abendstunden.
Wespen bauen
graue papierene Nester und Bienen sammeln Honig. Der madagassische
Name für Bienen ist renitantely, was Mutter des Honigs
bedeutet. Baumameisen errichten in Astgabeln Lehmnester, die bis einen
halben Meter dick werden. Oder sie errichten Nestkuppeln, die wie ein
abgestorbener Baumauswuchs aussehen.
Zikaden beginnen ihr zirpendes Konzert beim Eindunkeln. Eine Zikaden-Art (ptyelus goudoti) lebt auf den Jacarandas, von denen während der Blütezeit im November dicke Tropfen fallen, weil sich die Larven eingraben.
Im dichten Wald leben kleine Blutegel (madagassisch: dinta), die sich bei Waldspaziergängen überall an der Haut und gar an den Augenlidern festklammern können.
Weiterhin gibt es gibt 12 Skorpionarten, über 400 Spinnenarten, darunter die größte Spinnenart der Welt, die Nephila komaci, deren Weibchen eine Körperlänge von 3 cm und eine Beinlänge von 12 cm erreichen, während die Männchen 5 mal kleiner sind. Darüberhninaus findet man in Madagaskar zehntausende von Insektenarten wie Libellen und Termiten, die bis zu 25 cm langen, stets gut getarnten Stabheuschrecken und die von Zeit zu Zeit ganze Landstriche verwüstenden Wanderheuschrecken.
Fische
und andere Meerestiere
Im Indischen Ozean schwimmt eine Vielzahl an Fischen: Schwertfisch, Rochen, Barracuda, Capitain und viele mehr werden gefischt und sind in Restaurants zu haben, ebenso wie Tintenfisch, Langusten, Krabben und Austern.
Vor Toliara und
um Nosy Be finden sich grosse Korallenriffe mit ihrer farbenprächtigen
Flora und Fauna. Diese Unterwasserwelt hat sich zu einem paradiesischen
Ziel für Schnorchler und Taucher entwickelt, die sich an den rosa
und weissen Korallengebilden und den in allen Regenbogenfarben schillernden
Fischen nicht satt sehen können.
Buckelwale (megaptera novaeangliae)
Der
Indische Ozean ist die Heimat der Buckelwale (megaptera
novaeangliae). In der Zeit der Geburt der Jungen und der Paarung
(ab Mitte August bis September) zieht es die Buckelwale an die Küsten
Madagaskar, wo man sie unter anderem im Osten in der Bucht
von Antongil und rund um die Insel
Ste. Marie beobachten kann. Hier gebären die riesigen Tiere,
die über 15m lang werden und 30t bis 40t wiegen, ihre tonnenschweren
Jungen, um dann im September wieder in Richtung Süden in die antarktischen
Gewässer zu ziehen.
Das Zentrum für kommerzielle Walbeobachtung für Touristen und Wissenschaftler ist die Insel Ste. Marie (nosy boraha) vor der Ostküste Madagaskars. Die Vereinigung G.O.T. organisiert Erkundungsfahrten und Konferenzen. Ein weiterer Ort, wo die Wale ab Mitte August bobachtet werden können, ist Maroantsetra in der Bucht von Antongil im Osten Madagaskars in der Bucht von Antongil.
Weitere Informationen bei madainfo.de: Planzenwelt Madagaskars - Lemuren - Landschaften

Buchtipp zum Thema Tierleben in Madagaskar: Madagascar Wildlife. A Visitor's Guide; englischsprachig; Verlag Bradt Travel Guide; 176 Seiten, 2008)